Können Reisekrankheit-Tabletten die Konzentrationsfähigkeit im Straßenverkehr beeinträchtigen?

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Ja, Reisekrankheit-Tabletten können die Konzentrationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigen.

Die meisten frei verkäuflichen Mittel gegen Reisekrankheit enthalten Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika der 1. Generation (am häufigsten Dimenhydrinat, bekannt unter Markennamen wie Vomex, Reisefit oder Superpep).

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum diese Tabletten für Autofahrer problematisch sind:

1. Sedierende Wirkung (Müdigkeit)

Der Hauptwirkstoff Dimenhydrinat wirkt direkt im Gehirn auf das Brechzentrum. Da diese Wirkstoffe jedoch die Blut-Hirn-Schranke passieren, wirken sie auch dämpfend auf das zentrale Nervensystem. Die häufigste Nebenwirkung ist daher starke Müdigkeit und Schläfrigkeit.

2. Verlangsamte Reaktion

Selbst wenn man sich nicht extrem müde fühlt, können die Wirkstoffe die Reaktionszeit verlängern. In Gefahrensituationen im Straßenverkehr kann diese Verzögerung entscheidend sein.

3. Sehstörungen und Schwindel

Einige dieser Medikamente können die Pupillenreaktion beeinflussen oder zu leichtem Schwindel führen. Verschwommenes Sehen kann die Einschätzung von Abständen und Geschwindigkeiten erschweren.

4. Der "Hangover"-Effekt

Die Wirkung kann mehrere Stunden anhalten. Auch wenn die Übelkeit abgeklungen ist, kann die Beeinträchtigung der Konzentration noch fortbestehen.


Was Sie beachten sollten:

  • Beipackzettel lesen: In fast allen Packungsbeilagen von Reisekrankheits-Tabletten findet sich ein Warnhinweis, dass man nach der Einnahme kein Fahrzeug führen und keine schweren Maschinen bedienen sollte.
  • Rechtliche Konsequenzen: Wer unter dem Einfluss von Medikamenten, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, einen Unfall verursacht, kann rechtlich belangt werden (ähnlich wie bei Alkohol) und verliert unter Umständen den Versicherungsschutz.
  • Individuelle Reaktion: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Manche bemerken kaum etwas, andere schlafen kurz nach der Einnahme ein.

Alternativen für Autofahrer (die selbst am Steuer sitzen):

Wenn Sie selbst fahren müssen und unter Reiseübelkeit leiden, sind klassische Tabletten meist keine Option. Versuchen Sie stattdessen:

  1. Ingwer-Präparate: Ingwer (als Kapseln oder Tee) wirkt gegen Übelkeit, macht aber nicht müde. Es greift nicht in das zentrale Nervensystem ein.
  2. Akupressur-Armbänder: Diese üben Druck auf einen Punkt am Handgelenk (Nei-Kuan-Punkt) aus und können bei manchen Menschen die Übelkeit ohne Medikamente lindern.
  3. Fahrverhalten: Als Fahrer leidet man seltener an Reisekrankheit, da das Gehirn die Bewegungen des Autos vorausahnen kann. Achten Sie auf gute Belüftung und vermeiden Sie schwere Mahlzeiten vor der Fahrt.
  4. Spezielle Brillen: Es gibt Brillen gegen Reisekrankheit (mit einer Flüssigkeit in den Rändern), die den Horizont simulieren und so den Konflikt zwischen Auge und Gleichgewichtsorgan lösen sollen.

Fazit: Wenn Sie der Fahrer sind, sollten Sie auf herkömmliche Reisekrankheit-Tabletten mit Dimenhydrinat verzichten. Wenn Sie Beifahrer sind, ist die Einnahme unbedenklich, sofern Sie danach nicht vorhaben, sich ans Steuer zu setzen.