Können Reisekrankheit-Tabletten bei älteren Männern Probleme beim Wasserlassen verursachen?

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Ja, das ist ein bekanntes und ernstzunehmendes Problem. Reisekrankheit-Tabletten können bei älteren Männern tatsächlich erhebliche Schwierigkeiten beim Wasserlassen bis hin zu einem kompletten Harnverhalt auslösen.

Hier ist die Erklärung, warum das passiert und worauf man achten sollte:

1. Der Wirkmechanismus (Anticholinerger Effekt)

Die meisten gängigen Medikamente gegen Reisekrankheit (wie z. B. Wirkstoffe wie Dimenhydrinat, Diphenhydramin oder Scopolamin) gehören zur Gruppe der Antihistaminika der ersten Generation oder der Anticholinergika.

Diese Wirkstoffe blockieren den Botenstoff Acetylcholin. Acetylcholin ist jedoch notwendig, damit sich der Blasenmuskel (Detrusor) zusammenziehen kann, um den Urin herauszudrücken. Wenn dieser Effekt blockiert wird, "entspannt" sich die Blase zu sehr und kann nicht mehr genügend Druck aufbauen.

2. Das Problem bei älteren Männern: Die Prostata

Viele ältere Männer haben eine gutartige Prostatavergrößerung (BPH). Die vergrößerte Prostata drückt ohnehin schon auf die Harnröhre und verengt den Abfluss.

Wenn nun durch das Medikament zusätzlich die Kraft des Blasenmuskels nachlässt, schafft es der Körper nicht mehr, den Widerstand der verengten Harnröhre zu überwinden.

3. Mögliche Folgen

  • Erschwertes Wasserlassen: Der Harnstrahl wird schwächer, oder es dauert lange, bis der Urin überhaupt fließt.
  • Restharnbildung: Die Blase entleert sich nicht vollständig, was das Risiko für Infektionen erhöht.
  • Akuter Harnverhalt: Dies ist ein medizinischer Notfall. Der Betroffene kann gar kein Wasser mehr lassen, obwohl die Blase voll ist. Dies verursacht starke Schmerzen und erfordert den sofortigen Gang zum Arzt oder in die Notaufnahme (um einen Katheter zu legen).

4. Welche Wirkstoffe sind betroffen?

Besonders häufig tritt dies bei klassischen Reise-Medikamenten auf, die folgende Wirkstoffe enthalten:

  • Dimenhydrinat (sehr verbreitet in Tabletten und Kaugummi-Dragees)
  • Diphenhydramin
  • Scopolamin (oft als Pflaster hinter das Ohr)

Was kann man tun?

  1. Rücksprache mit dem Arzt: Wenn eine Prostatavergrößerung bekannt ist, sollte man diese Medikamente nur nach Rücksprache einnehmen.
  2. Alternativen prüfen:
    • Ingwer-Präparate: Diese wirken rein pflanzlich auf den Magen und haben keine Auswirkungen auf die Blase.
    • Akupressur-Armbänder: Diese üben Druck auf einen Punkt am Handgelenk aus (P6) und sind völlig frei von Nebenwirkungen.
    • Neuere Medikamente: Es gibt andere Wirkstoffe gegen Übelkeit, die weniger auf die Blase wirken, aber diese sind oft verschreibungspflichtig (z.B. bestimmte Antiemetika).
  3. Dosis minimieren: Manchmal hilft es schon, mit der geringstmöglichen Dosis zu beginnen, aber bei bekannter BPH ist Vorsicht geboten.

Wichtiger Hinweis: Sollten Sie oder die betreffende Person nach der Einnahme feststellen, dass das Wasserlassen gar nicht mehr möglich ist, suchen Sie bitte umgehend einen Arzt auf.

Hinweis: Diese Antwort dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung.