Ab welchem Alter dürfen Kinder herkömmliche Tabletten gegen Reisekrankheit einnehmen?

Melden

Die Antwort hängt vom spezifischen Wirkstoff und der Darreichungsform (Tablette, Saft, Zäpfchen) ab. Hier ist eine Übersicht für die in Deutschland gebräuchlichsten Mittel:

1. Der Klassiker: Dimenhydrinat (z. B. Vomex A, Vomacur)

Dies ist der am häufigsten verwendete Wirkstoff gegen Reisekrankheit.

  • Herkömmliche Tabletten (meist 50 mg): Diese sind in der Regel für Kinder ab 6 Jahren (und über 30 kg Körpergewicht) zugelassen.
  • Kleinkinder (unter 6 Jahren): Für jüngere Kinder gibt es spezielle Darreichungsformen. Dimenhydrinat darf bei Kleinkindern bereits ab 6 kg Körpergewicht (ca. 6 Monate) angewendet werden, aber nicht als 50mg-Tablette, sondern als:
    • Saft (lässt sich genau nach Gewicht dosieren).
    • Zäpfchen (spezielle Kinder-Dosis mit 40 mg).
    • Sublingualtabletten (Schmelztabletten), die oft ab 12 Jahren oder nach Gewicht freigegeben sind.

2. Diphenhydramin (z. B. Emesan)

  • Tabletten mit diesem Wirkstoff sind meist erst für Kinder ab 12 Jahren (bzw. über 40 kg Körpergewicht) empfohlen.

3. Reise-Kaugummis (z. B. Superpep)

  • Kaugummis mit Dimenhydrinat sind oft erst für Kinder ab 6 Jahren geeignet, da das Kind alt genug sein muss, um den Kaugummi kontrolliert zu kauen und nicht sofort herunterzuschlucken.

Wichtige Sicherheitshinweise:

  1. Dosierung nach Gewicht, nicht nur nach Alter: Bei Kindern ist das Körpergewicht entscheidend. Eine Überdosierung von Antihistaminika (wie Dimenhydrinat) kann bei Kleinkindern gefährlich sein und zu Krämpfen oder Atemproblemen führen.
  2. Paradoxe Reaktion: Manche Kinder werden von diesen Mitteln nicht müde (wie eigentlich üblich), sondern extrem unruhig oder aufgekratzt.
  3. Vorsicht bei Säuglingen: Bei sehr kleinen Kindern (unter 2 Jahren) sollte die Gabe von Medikamenten gegen Reisekrankheit immer vorher mit dem Kinderarzt abgesprochen werden.
  4. Beipackzettel lesen: Die Zulassungen können sich je nach Hersteller leicht unterscheiden. Schauen Sie immer konkret auf die Packung des gekauften Produkts.

Alternativen für jüngere Kinder oder bei leichter Übelkeit:

  • Ingwer: Es gibt spezielle Ingwer-Präparate (z. B. Zintona), die oft ab 6 Jahren zugelassen sind.
  • Akupressur-Armbänder: Diese üben Druck auf den P6-Punkt am Handgelenk aus und sind völlig frei von Nebenwirkungen (für jedes Alter geeignet).
  • Hausmittel: Während der Fahrt den Blick starr auf den Horizont richten, nicht lesen/am Tablet spielen und vor der Fahrt nur leicht bekömmliche Speisen essen.

Fazit: Wenn Sie herkömmliche 50mg-Tabletten zu Hause haben, sind diese meist erst ab 6 Jahren sicher. Für jüngere Kinder sollten Sie in der Apotheke gezielt nach Saft oder Zäpfchen fragen.

0