Sind Reisekrankheit-Tabletten für Kinder und Kleinkinder geeignet?
Ja, Reisekrankheits-Tabletten (und andere Darreichungsformen) sind für Kinder geeignet, aber es gibt wichtige Einschränkungen bezüglich des Alters, des Gewichts und der Dosierung.
Hier ist ein detaillierter Überblick, worauf Sie achten müssen:
1. Der gängigste Wirkstoff: Dimenhydrinat
Die meisten frei verkäuflichen Mittel gegen Reisekrankheit (wie Vomex A, Reisegold oder Vomacur) enthalten den Wirkstoff Dimenhydrinat.
- Wirkung: Er blockiert die Rezeptoren für den Botenstoff Histamin im Brechzentrum des Gehirns und beruhigt den Magen.
- Nebenwirkung: Er macht meistens sehr müde, was auf langen Fahrten oft sogar erwünscht ist.
2. Altersgrenzen und Darreichungsformen
Da Tabletten für kleine Kinder schwer zu schlucken und schwer zu dosieren sind, gibt es Alternativen:
- Säuglinge und Kleinkinder (unter 6 kg bzw. unter 2 Jahren): Hier ist extreme Vorsicht geboten. Medikamente mit Dimenhydrinat sollten bei sehr kleinen Kindern nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden, da es bei Überdosierung zu Krämpfen oder Atemproblemen kommen kann.
- Kleinkinder (ab ca. 6 kg / 1-2 Jahren): Hier werden meist Zäpfchen (niedrig dosiert, z.B. 40 mg) empfohlen. Zäpfchen haben den Vorteil, dass sie auch wirken, wenn das Kind bereits erbricht.
- Kinder ab 6 Jahren: In diesem Alter können meist Tabletten oder spezielle Reise-Kaugummis (z.B. Superpep) verwendet werden. Kaugummis haben den Vorteil, dass der Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufgenommen wird und man sie bei Bedarf (beim ersten flauen Gefühl) einsetzen kann.
- Schulkinder: Hier gibt es auch Sirup, der sich gut dosieren lässt.
3. Wichtige Sicherheitshinweise
- Dosierung: Halten Sie sich strikt an die Packungsbeilage oder die Anweisung des Apothekers. Eine Überdosierung von Dimenhydrinat kann bei Kindern zu Unruhe, Halluzinationen oder im schlimmsten Fall zu Krampfanfällen führen.
- Zeitpunkt: Tabletten oder Zäpfchen sollten etwa 30 bis 60 Minuten vor Reisebeginn verabreicht werden, damit sie rechtzeitig wirken.
- Gegenanzeigen: Bei Kindern mit Asthma, Epilepsie oder bestimmten Herzproblemen dürfen diese Mittel oft nicht angewendet werden.
4. Alternativen ohne Medikamente
Wenn Sie auf Chemie verzichten wollen oder das Kind noch sehr jung ist:
- Ingwer: Es gibt Ingwer-Präparate (z.B. Zintona), die oft ab 6 Jahren zugelassen sind. Sie machen nicht müde.
- Akupressur-Bänder (Sea-Bands): Diese elastischen Armbänder drücken auf einen Punkt am Handgelenk (P6). Viele Eltern berichten von guten Erfahrungen, und sie haben keine Nebenwirkungen.
- Verhaltenstipps:
- Aus dem Fenster auf den Horizont schauen (nicht lesen oder auf das Tablet/Handy schauen).
- Vor der Fahrt eine leichte Mahlzeit (fettarm).
- Gute Belüftung im Auto.
- In der Mitte des Autos (oder im Bus vorne, im Flugzeug über den Tragflächen) sitzen.
Fazit
Für Kleinkinder sind eher Zäpfchen oder Säfte geeignet, für ältere Kinder Tabletten oder Kaugummis.
Empfehlung: Gehen Sie vor der ersten Anwendung kurz in die Apotheke und nennen Sie das genaue Alter und Gewicht Ihres Kindes. Dort erhalten Sie das passende Präparat und die richtige Dosierung.
Hinweis: Diese Information ersetzt keine ärztliche Beratung.