Welche ökologischen Probleme entstehen durch die extrem langsame Zersetzung von achtlos weggeworfenen Kaugummi-Dragees?
Achtlos weggeworfene Kaugummis sind weit mehr als nur ein optisches Ärgernis auf Gehwegen. Da moderne Kaugummis überwiegend aus synthetischen Kunststoffen bestehen, verursachen sie spezifische ökologische Probleme.
Hier sind die wichtigsten ökologischen Auswirkungen der extrem langsamen Zersetzung (die bis zu 50 Jahre oder länger dauern kann):
1. Belastung durch Mikroplastik
Die Kaugummi-Basis (die sogenannte Kaumasse) besteht heute meist nicht mehr aus natürlichem Chicle, sondern aus petrochemischen Kunststoffen (wie Polyisobutylen oder Polyvinylacetat) – also im Grunde aus weichem Plastik.
- Abrieb: Durch Witterung, UV-Strahlung und mechanische Belastung (Drauftreten) zerfällt der Kaugummi über Jahre hinweg in immer kleinere Partikel.
- Verbreitung: Dieses Mikroplastik gelangt über das Regenwasser in Böden, Flüsse und schließlich in die Weltmeere, wo es kaum wieder zu entfernen ist.
2. Gefährdung der Tierwelt (Fauna)
Tiere, insbesondere Vögel und kleine Säugetiere, verwechseln weggeworfene Kaugummis oft mit Nahrung (z. B. mit Brotstücken oder Insektenlarven).
- Verdauungsprobleme: Da Kaugummi unverdaulich ist, kann er den Magen oder Darm der Tiere verstopfen. Dies führt oft dazu, dass die Tiere ein falsches Sättigungsgefühl haben und verhungern.
- Verkleben: Vögel können sich den Schnabel verkleben, was die Nahrungsaufnahme oder die Gefiederpflege verhindert. Auch die Atemwege können verstopfen.
3. Eintrag von Schadstoffen und Zusatzstoffen
Kaugummis enthalten neben der Kunststoffbasis eine Vielzahl chemischer Zusatzstoffe:
- Aromen und Süßstoffe: Während Zucker biologisch abbaubar ist, sind es künstliche Süßstoffe (wie Aspartam oder Acesulfam K) oft nicht vollständig.
- Weichmacher und Konservierungsstoffe: Diese Chemikalien können beim langsamen Zersetzungsprozess in den Boden oder das Grundwasser ausgewaschen werden. Über die ökologischen Langzeitfolgen dieser speziellen Stoffmischungen in kleinen Mengen ist noch wenig bekannt, sie tragen jedoch zur allgemeinen chemischen Belastung der Umwelt bei.
4. Ressourcenverbrauch bei der Reinigung
Die ökologischen Kosten entstehen indirekt auch durch die Entfernung:
- Energie und Wasser: Um Kaugummis von Gehwegen zu lösen, werden meist Hochdruckreiniger mit heißem Wasser oder Wasserdampf eingesetzt. Dies verbraucht große Mengen an Energie und Trinkwasser.
- Reinigungschemie: Oft kommen spezielle chemische Lösungsmittel zum Einsatz, die – wenn sie nicht fachgerecht aufgefangen werden – wiederum die Umwelt belasten können.
5. „Broken-Windows-Effekt“ und Vermüllungskreislauf
Ökologisch gesehen führt das sogenannte „Littering“ (achtloses Wegwerfen) von Kaugummis dazu, dass Orte verwahrlost wirken. Dies senkt oft die Hemmschwelle für andere Personen, weiteren, weitaus gefährlicheren Müll (wie Zigarettenstummel oder Plastikverpackungen) ebenfalls einfach fallen zu lassen. Dadurch potenziert sich das Müllproblem an einem Standort.
Fazit
Ein weggeworfener Kaugummi ist ökologisch gesehen Plastikmüll. Da er sehr klein ist, wird das Problem oft unterschätzt. Die Lösung liegt in der korrekten Entsorgung im Restmüll oder im Umstieg auf biologisch abbaubare Kaugummis, die auf natürlichem Baumharz (Chicle) basieren und keine erdölbasierten Kunststoffe enthalten.