Wie führt eine fehlende Zugentlastung bei der Verwendung von Lüsterklemmen zu Kontaktunterbrechungen?

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Das Fehlen einer Zugentlastung bei der Verwendung von Lüsterklemmen führt auf mehreren Ebenen – von mechanischen bis hin zu thermischen Prozessen – zu Kontaktunterbrechungen. Hier ist die detaillierte Erklärung der Wirkungskette:

1. Direkte mechanische Einwirkung (Herausziehen)

Der offensichtlichste Grund: Ohne Zugentlastung wirken äußere Zugkräfte (z. B. am Kabel ziehen, Eigengewicht einer hängenden Leuchte) direkt auf die Klemmstelle.

  • Gleitprozess: Da Lüsterklemmen die Ader nur punktuell durch eine Schraube fixieren, kann der Draht bei ausreichender Kraft unter der Schraube hervorrutschen.
  • Querschnittsverengung: Die Schraube der Lüsterklemme drückt oft tief in das Kupfer (besonders wenn keine Aderendhülsen verwendet werden). Dies schwächt die mechanische Belastbarkeit des Drahtes an genau dieser Stelle, sodass er bei Zug leicht reißt.

2. Lockerung durch Mikrobewegungen und Vibrationen

Kabel sind im Alltag oft leichten Erschütterungen oder Bewegungen ausgesetzt (z. B. durch Wind, Trittschall oder das Ein- und Ausstecken benachbarter Geräte).

  • Hebelwirkung: Ohne Zugentlastung wirkt das Kabel wie ein langer Hebel, der direkt an der Klemmstelle ansetzt. Jede Bewegung des Kabels führt zu minimalen Verschiebungen der Ader innerhalb der Klemme.
  • Ermüdung: Diese Mikrobewegungen können dazu führen, dass sich die Klemmschraube mit der Zeit lockert (Selbstlösung durch Vibration). Sobald der Anpressdruck sinkt, ist der elektrische Kontakt nicht mehr stabil.

3. Bruch der Litzen (Materialermüdung)

Besonders bei flexiblen Leitungen (Litzendraht) ist die Stelle, an der das Kabel aus der Klemme tritt, ein kritischer Punkt.

  • Kerbwirkung: Die Kante der Klemme oder die Druckstelle der Schraube wirkt wie eine Sollbruchstelle. Wenn das Kabel ohne Zugentlastung hin- und hergebogen wird, brechen nacheinander die einzelnen feinen Kupferdrähte (Litzen) direkt am Übergang zur Klemme ab.
  • Resultat: Erst steigt der Widerstand (da weniger Drähte den Strom leiten), schließlich bricht der Kontakt ganz ab.

4. Thermische Zerstörung (Der Teufelskreis)

Eine schlechte mechanische Fixierung führt fast immer zu einem erhöhten Übergangswiderstand. Dies löst eine gefährliche Kettenreaktion aus:

  1. Erwärmung: Durch den losen Kontakt entsteht an der Klemmstelle Hitze ($P = I^2 \cdot R$).
  2. Oxidation: Kupfer oxidiert bei Hitze schneller. Die entstehende Oxidschicht leitet den Strom schlechter.
  3. Materialausdehnung: Durch das ständige Aufheizen und Abkühlen dehnen sich Metall und Kunststoff unterschiedlich aus und ziehen sich wieder zusammen ("Atmen" der Klemmstelle). Dies lockert die Verbindung weiter.
  4. Kontaktabbrand/Lichtbogen: Es entstehen kleine Funken oder Lichtbögen. Diese zerstören die Metalloberflächen der Klemme und des Drahtes (Verkohlung), bis kein Stromfluss mehr möglich ist oder die Klemme wegschmilzt.

Zusammenfassung

Die Zugentlastung hat die Aufgabe, mechanische Kräfte von der elektrischen Kontaktstelle fernzuhalten. Fehlt sie, wird die elektrische Verbindung als mechanisches Halteelement missbraucht. Das führt unweigerlich zu Materialermüdung, schleichender Lockerung und schließlich zur Unterbrechung oder – im schlimmsten Fall – zu einem Kabelbrand.

Hinweis: In festen Installationen sind Lüsterklemmen heute weitgehend durch schraublose Federzugklemmen (z. B. Wago-Klemmen) ersetzt worden, da diese gegenüber Vibrationen und Setzungserscheinungen deutlich unempfindlicher sind. Dennoch ist auch dort eine Zugentlastung (z. B. in einer Abzweigdose oder einem Stecker) zwingend vorgeschrieben.