Welche Folgen hat die Verwendung von zu wenigen Schrauben in den vorgegebenen Löchern eines Winkelverbinders?

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Die Verwendung von zu wenigen Schrauben in einem Winkelverbinder ist ein häufiger Fehler im Holzbau, der schwerwiegende statische und sicherheitstechnische Folgen haben kann. Winkelverbinder sind so konstruiert, dass sie Kräfte über eine definierte Anzahl von Befestigungspunkten gleichmäßig in die Bauteile einleiten.

Hier sind die konkreten Folgen im Detail:

1. Massive Reduzierung der Tragfähigkeit

Die zulässige Last, die ein Winkel tragen kann, ist in der Regel auf eine Vollausnagelung (alle Löcher belegt) oder eine definierte Teilausnagelung bezogen. Wenn Sie Schrauben weglassen, sinkt die Tragfähigkeit nicht linear, sondern oft überproportional. Das Bauteil kann die berechneten Lasten (z. B. Wind- oder Schneelast) nicht mehr sicher abtragen.

2. Ungünstige Kraftverteilung und Hebelwirkung

Die Löcher in einem Winkelverbinder sind strategisch platziert, um Hebelkräfte zu minimieren. Wenn beispielsweise nur die inneren Löcher (nahe der Biegung) verschraubt werden, können die äußeren Enden des Winkels bei Belastung abstehen. Werden nur die äußeren genutzt, entstehen enorme Hebelkräfte auf die Schrauben, die zum Abscheren der Schraubenköpfe führen können.

3. Gefahr des Abscherens der Schrauben

Jede einzelne Schraube kann nur eine bestimmte Scherkraft aufnehmen. Bei zu wenigen Schrauben muss jede einzelne Schraube eine deutlich höhere Last tragen, als für sie vorgesehen ist. Dies führt dazu, dass die Schrauben unter Last einfach "abbrechen" (abscheren).

4. Holzspaltung und Materialversagen

Wenn die Last auf zu wenige Punkte verteilt wird, steigt die Lochleibungsspannung im Holz extrem an. Das bedeutet, die Schraube drückt sich mit Gewalt in die Holzfasern. Die Folge:

  • Das Holz reißt oder spaltet sich entlang der Faser.
  • Die Schrauben lockern sich ("Eierlöcher" entstehen), wodurch die gesamte Konstruktion instabil wird und zu wackeln beginnt.

5. Verformung des Verbinders

Winkelverbinder bestehen meist aus verzinktem Stahlblech oder Edelstahl. Wenn die Verschraubung unvollständig ist, kann sich das Blech unter Last verbiegen oder verwinden. Ein einmal verbogener Winkel hat seine statische Integrität verloren und muss ausgetauscht werden.

6. Verlust der bauaufsichtlichen Zulassung (ETA)

Die meisten Winkelverbinder haben eine europäische technische Bewertung (ETA). Diese Zulassung gilt nur, wenn der Winkel exakt nach den Vorgaben des Herstellers montiert wird.

  • Rechtliche Folge: Bei einem Schaden (z. B. Carport bricht zusammen) haftet der Handwerker oder Heimwerker voll.
  • Versicherungsschutz: Versicherungen können die Zahlung verweigern, da die Montage nicht nach den "anerkannten Regeln der Technik" erfolgte.

7. Instabilität gegen Verdrehen (Torsion)

Besonders bei Balkenverbindungen verhindern mehrere Schrauben, dass sich der Balken in sich verdreht. Zu wenige Schrauben lassen diese Rotation zu, was die gesamte Geometrie des Bauwerks gefährdet.


Wichtiger Hinweis: Vollausnagelung vs. Teilausnagelung

Manchmal sieht man, dass Profis nicht alle Löcher füllen. Das ist nur dann zulässig, wenn:

  1. Der Hersteller ein spezifisches Teilausnagelungsschema vorgegeben hat (oft im Zick-Zack-Muster).
  2. Ein Statiker dies explizit berechnet hat.

Fazit: Im Zweifel sollten Sie immer alle vorgesehenen Löcher mit den passenden Ankernägeln (Kammnägeln) oder Winkelverbinderschrauben füllen. Verwenden Sie niemals normale Senkkopf-Spanplattenschrauben, da diese keine bauaufsichtliche Zulassung für Winkelverbinder haben und der spröde Stahl bei Querbelastung leicht bricht.

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