Warum müssen feindrähtige Leitungen bei der Verwendung von Lüsterklemmen mit Aderendhülsen versehen werden?

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Die Verwendung von Aderendhülsen bei feindrähtigen Leitungen (flexiblen Kabeln) in Lüsterklemmen ist aus mehreren Sicherheits- und Funktionsgründen vorgeschrieben (gemäß DIN VDE 0100-520).

Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:

1. Schutz vor mechanischer Beschädigung

Die Schraube einer Lüsterklemme dreht sich direkt auf das Kupfer. Bei feindrähtigen Leitungen sind die einzelnen Drähtchen extrem dünn. Ohne Aderendhülse würde die sich drehende Schraube die feinen Kupferlitzen abscheren, zerquetschen oder durchtrennen. Dadurch verringert sich der wirksame Querschnitt des Leiters.

2. Vermeidung von Kurzschlüssen (Spleißschutz)

Wenn man eine feindrähtige Leitung ohne Hülse in eine Klemme einführt, passiert es leicht, dass einzelne Drähtchen seitlich abstehen und nicht mit in die Klemme gelangen. Diese „verirrten“ Litzen können:

  • Benachbarte Kontakte berühren (Kurzschlussgefahr).
  • Das Gehäuse berühren (Gefahr eines elektrischen Schlags bei Metallgehäusen).

3. Sicherstellung eines dauerhaft niedrigen Übergangswiderstands

Damit Strom sicher fließen kann, wird eine möglichst große Kontaktfläche benötigt.

  • Ohne Hülse: Die Schraube drückt nur auf einen kleinen Teil der Litzen. Es entstehen Hohlräume. Der Strom muss über weniger Material fließen, wodurch der Widerstand steigt.
  • Folge: Die Klemmstelle wird heiß. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Schmorgasbrand kommen. Die Aderendhülse bündelt alle Litzen und sorgt dafür, dass der Druck der Schraube gleichmäßig auf das gesamte Kupferpaket verteilt wird.

4. Schutz vor Korrosion und Oxidation

Kupfer oxidiert an der Luft. Bei vielen feinen Einzeldrähten ist die Oberfläche, die oxidieren kann, sehr groß. Eine verpresste Aderendhülse umschließt die Drähte gasdicht (bei korrekter Verpressung), was die Oxidation im Inneren verhindert und die Leitfähigkeit über Jahre stabil hält.

5. Langzeitstabilität (Kaltfließen)

Kupfer hat die Eigenschaft, unter Druck nachzugeben („zu fließen“). Bei einer Lüsterklemme ohne Hülse lockert sich die Verbindung mit der Zeit, da die Litzen dem Druck der Schraube ausweichen. Die Aderendhülse hält das Material zusammen und sorgt für eine dauerhaft feste Verbindung.


Wichtige Ausnahme:

Es gibt moderne Klemmen (z. B. WAGO-Hebelklemmen), die mit einer Federtechnik arbeiten. Bei diesen ist eine Aderendhülse nicht erforderlich (und oft sogar kontraproduktiv), da die Feder einen gleichmäßigen Druck ausübt, ohne die Drähte zu beschädigen.

Fazit: Bei klassischen Lüsterklemmen (Schraubklemmen) ist die Aderendhülse bei flexiblen Leitungen Pflicht, um Brände und Stromunfälle zu vermeiden.

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