Müssen bei der Verwendung von Lüsterklemmen zwingend Aderendhülsen für feindrähtige Kabel genutzt werden?
Die kurze Antwort lautet: Ja, bei herkömmlichen Lüsterklemmen sind Aderendhülsen für feindrähtige Kabel zwingend erforderlich.
Hier ist die detaillierte Begründung und die rechtliche/technische Einordnung:
1. Warum sind Aderendhülsen notwendig?
Bei einer klassischen Lüsterklemme drückt die Befestigungsschraube direkt auf das Kabel. Wenn du ein feindrähtiges Kabel (Litze) ohne Schutz einführst, passieren folgende Dinge:
- Beschädigung der Adern: Die scharfkantige Schraube zerquetscht oder durchschneidet einzelne Kupferdrähtchen.
- Reduzierter Querschnitt: Da Drähte abbrechen, verringert sich der effektive Querschnitt des Kabels. Die Stelle wird heiß (erhöhter Übergangswiderstand).
- Lockere Verbindung: Da die Litzen unter dem Druck der Schraube "ausweichen", lockert sich die Verbindung mit der Zeit. Das kann zu Funkenbildung (Lichtbögen) und im schlimmsten Fall zu einem Brand führen.
2. Was sagt die Norm (VDE)?
Nach DIN VDE 0100-520 müssen Leiterenden so beschaffen sein oder angeschlossen werden, dass eine dauerhafte und sichere Kontaktierung gewährleistet ist. Speziell für feindrähtige Leiter gilt: Sie müssen gegen das Aufspreizen der Einzeldrähte geschützt werden.
Bei Lüsterklemmen wird dieser Schutz in der Regel nur durch Aderendhülsen erreicht.
3. Die einzige Ausnahme: Klemmen mit Drahtschutz
Es gibt spezielle Lüsterklemmen, die unter der Schraube ein kleines Metallplättchen (Drahtschutzbügel) haben.
- Wenn du die Schraube anziehst, drückt das Plättchen flächig auf die Litze, anstatt dass die Schraube sich in das Kupfer bohrt.
- In diesem speziellen Fall darf man (laut Herstellerangaben) auf Aderendhülsen verzichten.
- Aber: In der Praxis sind die meisten Standard-Lüsterklemmen im Baumarkt ohne diesen Schutz.
4. Wichtige Verbote und Alternativen
- Verlöten ist verboten: Es war früher üblich, die Enden zu verzinnen (zu verlöten). Das ist heute streng verboten. Lötzinn "fließt" unter Druck (Kaltverformung). Die Schraube lockert sich garantiert nach einiger Zeit, was eine enorme Brandgefahr darstellt.
- Die bessere Lösung (WAGO-Klemmen): Heutzutage nutzt man im Profi-Bereich und auch im Heimwerken kaum noch Lüsterklemmen. Hebelklemmen (z. B. Wago 221) sind für feindrähtige und starre Kabel zugelassen – ganz ohne Aderendhülsen. Sie sind sicherer, schneller und wartungsfrei.
Fazit
Wenn du Lüsterklemmen für flexible Kabel (z. B. von einer Lampe) verwendest, musst du Aderendhülsen aufpressen. Hast du keine passende Krimpzange zur Hand, verwende stattdessen Hebel-Steckklemmen (Wago), da diese das Problem technisch lösen, ohne dass du Hülsen benötigst.