Warum darf NYM-Kabel nicht in Bereichen mit Umgebungstemperaturen von über 70 °C eingesetzt werden?

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Das Verbot, NYM-Leitungen (Normenleitung mit PVC-Isolierung und Mantel) bei Umgebungstemperaturen von über 70 °C einzusetzen, hat vor allem werkstofftechnische und sicherheitsrelevante Gründe.

Hier sind die wichtigsten Punkte im Detail:

1. Thermoplastische Eigenschaften von PVC

Die Isolierung und der Mantel einer NYM-Leitung bestehen aus PVC (Polyvinylchlorid). PVC ist ein Thermoplast. Das bedeutet, dass das Material bei steigenden Temperaturen immer weicher wird.

  • Ab einer Betriebstemperatur von über 70 °C verliert das PVC seine mechanische Festigkeit.
  • Wenn das Material zu weich wird, können die Kupferleiter im Inneren der Leitung durch die Isolierung „wandern“ (besonders an Biegestellen oder unter mechanischem Druck durch Befestigungsschellen). Dies kann zu einem Kurzschluss führen.

2. Chemische Alterung und Versprödung

Hitze beschleunigt die chemischen Alterungsprozesse im Kunststoff.

  • Bei dauerhafter Überschreitung der zulässigen Temperatur entweichen die im PVC enthaltenen Weichmacher.
  • Die Folge: Das Kabel wird extrem spröde und brüchig. Schon bei geringsten Erschütterungen oder Bewegungen kann die Isolierung abblättern, was die Gefahr von Stromschlägen und Bränden massiv erhöht.

3. Reduzierung der Strombelastbarkeit

Die Strombelastbarkeit eines Kabels hängt von der Differenz zwischen der Umgebungstemperatur und der maximal zulässigen Leitertemperatur ab.

  • Die maximale Betriebstemperatur am Leiter ist bei NYM ebenfalls auf 70 °C festgelegt.
  • Wenn die Umgebungstemperatur bereits 70 °C beträgt, darf theoretisch gar kein Strom mehr fließen, da jede zusätzliche Erwärmung durch den Stromfluss die Temperatur über das zulässige Maß hinaus heben würde. Das Kabel hätte in diesem Bereich also keinen praktischen Nutzen mehr.

4. Brandgefahr

Bei Temperaturen weit über dem Limit kann sich PVC zersetzen. Dabei entstehen giftige und korrosive Gase (wie Chlorwasserstoff, der in Verbindung mit Feuchtigkeit zu Salzsäure wird). Dies schädigt nicht nur die Gesundheit, sondern kann auch Metallbauteile und elektronische Anlagen in der Umgebung zerstören.

Zusammenfassung der Normung

Nach DIN VDE 0298-4 ist die zulässige Betriebstemperatur am Leiter für NYM-Leitungen auf 70 °C begrenzt. Die Umgebungstemperatur muss daher so weit darunter liegen, dass die beim Stromfluss entstehende Wärme abgeführt werden kann, ohne dass der Leiter die 70-Grad-Marke überschreitet.

Was macht man in Bereichen über 70 °C? In Bereichen mit höheren Temperaturen (z. B. in Saunen, in der Nähe von Industrieöfen oder starken Strahlern) müssen hitzebeständige Leitungen verwendet werden, wie zum Beispiel:

  • Silikon-Leitungen (z. B. SIHF): Diese sind oft bis 180 °C (kurzzeitig höher) belastbar.
  • Spezialkabel mit Glasfaser- oder Glimmerisolierung: Für extreme Hitzeanforderungen.