Wie erkennt man, wann Arbeitshandschuhe aufgrund von Verschleiß ihre Schutzwirkung verlieren?
Das Erkennen des richtigen Zeitpunkts zum Austausch von Arbeitshandschuhen ist entscheidend für die Arbeitssicherheit. Sobald die Barrierefunktion beeinträchtigt ist, besteht Verletzungsgefahr.
Hier sind die wichtigsten Anzeichen, unterteilt nach verschiedenen Schadensbildern:
1. Mechanische Schäden (Sichtprüfung)
Dies ist die häufigste Form des Verschleißes bei Montage-, Leder- oder Schnittschutzhandschuhen:
- Löcher und Risse: Schon kleinste Löcher an den Fingerkuppen oder in den Fingerbeugen machen den Handschuh unbrauchbar.
- Dünne Stellen (Abrieb): Wenn das Material an stark beanspruchten Stellen (Handinnenfläche, Daumenbeuge) fast durchsichtig oder deutlich dünner wird, ist die Schutzwirkung gegen Reibung und Schnitte nicht mehr gegeben.
- Offene Nähte: Wenn sich die Nähte lösen, kann der Handschuh verrutschen oder an Maschinen hängen bleiben (Einzugsgefahr).
- Ausgeleierte Bündchen: Wenn der Handschuh nicht mehr fest am Handgelenk sitzt, können Schmutz, Späne oder Chemikalien hineingelangen.
2. Veränderungen des Materials (Chemisch & Thermisch)
Besonders bei Chemie- oder Gummihandschuhen sind die Zeichen oft subtiler:
- Versprödung/Risse: Das Material wird hart, unelastisch und bekommt beim Dehnen kleine Risse (Ozon- oder UV-Schäden).
- Aufquellen oder Erweichen: Wenn das Material "matschig" oder klebrig wird, hat es meist auf Chemikalien reagiert. Die Barriere ist dann zerstört.
- Verfärbungen: Starke Flecken oder Verfärbungen können auf eine chemische Sättigung hinweisen.
- Geruch: Ein stechender oder ungewöhnlicher Geruch im Inneren des Handschuhs deutet darauf hin, dass Chemikalien durch das Material diffundiert sind.
3. Funktionsverlust
Ein Handschuh schützt nicht nur passiv, sondern muss auch das Arbeiten sicher ermöglichen:
- Verlust der Griffigkeit: Wenn die Beschichtung (z. B. Nitril oder Latex) glattpoliert ist und Werkzeuge aus der Hand rutschen.
- Verlust des Tastgefühls: Wenn der Handschuh durch Verschmutzung (Öl, Fett, eingetrockneter Beton) so steif geworden ist, dass die Feinmotorik leidet.
- Nachlassende Polsterung: Bei Antivibrationshandschuhen verlieren die Einlagen mit der Zeit ihre Dämpfungseigenschaft.
4. Besonderheiten nach Einsatzart
- Schnittschutzhandschuhe: Nach einem massiven Schnittereignis sollte der Handschuh ersetzt werden, auch wenn er oberflächlich noch gut aussieht, da die Fasern im Inneren geschwächt sein können.
- Chemikalienschutz: Hier gibt es oft eine maximale Durchbruchzeit. Diese steht in der Gebrauchsanweisung. Ist diese Zeit abgelaufen (z. B. 8 Stunden Kontakt mit Lösungsmittel), muss der Handschuh entsorgt werden, selbst wenn er optisch einwandfrei ist.
- Elektriker-Schutzhandschuhe: Diese müssen vor jedem Einsatz durch Aufblasen (Lufttest) auf kleinste Löcher geprüft werden und unterliegen oft festen Prüffristen.
Die goldene Regel: Der "Lufttest" und die Vorab-Kontrolle
- Sichtprüfung: Vor jedem Arbeitsbeginn kurz beide Seiten der Handschuhe prüfen.
- Lufttest (bei wasser/luftdichten Handschuhen): Pusten Sie den Handschuh auf und drücken Sie ihn zusammen. Wenn Luft entweicht, ist er ein Fall für die Tonne.
- Im Zweifel: Wenn Sie sich fragen "Hält der noch?", lautet die sicherheitstechnische Antwort fast immer: Nein.
Wichtig: Arbeitshandschuhe gehören zur PSA (Persönliche Schutzausrüstung). Der Arbeitgeber ist verpflichtet, beschädigte Handschuhe kostenlos zu ersetzen, und der Arbeitnehmer ist verpflichtet, Mängel sofort zu melden.