Wie erkennt man gefährlichen Verschleiß an den einzelnen Kettengliedern?
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Gefährlicher Verschleiß an einer Kette (egal ob Fahrrad, Motorrad oder Lastenkette) kündigt sich oft schleichend an, kann aber bei Ignorieren zu Kettenreissen oder Unfällen führen.
Hier sind die wichtigsten Anzeichen, auf die Sie bei der Inspektion der einzelnen Kettenglieder achten müssen:
1. Risse in den Außen- oder Innenlaschen (Kritisch!)
Das ist das gefährlichste Anzeichen.
- Woran man es erkennt: Suchen Sie nach hauchdünnen Haarrissen, die meist von den Bolzenlöchern ausgehen oder quer über die Lasche verlaufen.
- Gefahr: Ein Riss bedeutet, dass das Material ermüdet ist. Das Glied kann jederzeit unter Last komplett brechen. Sofort austauschen!
2. Steife Kettenglieder ("Stiff Links")
- Woran man es erkennt: Wenn die Kette über ein Zahnrad läuft, knickt sie ein. Ein steifes Glied bleibt jedoch in der angewinkelten Position stehen und streckt sich nicht mehr von selbst.
- Ursache: Korrosion im Inneren, Dreck oder ein verbogener Bolzen.
- Gefahr: Die Kette kann springen, das Schaltwerk beschädigen (beim Fahrrad) oder im schlimmsten Fall blockieren.
3. Abgenutzte oder lockere Rollen
- Woran man es erkennt: Prüfen Sie die kleinen Rollen in der Mitte der Glieder. Sie dürfen kein übermäßiges Spiel haben, dürfen nicht fehlen und sollten keine tiefen Einkerbungen oder gar Löcher aufweisen.
- Gefahr: Eine gebrochene Rolle führt dazu, dass die Kette nicht mehr sauber in die Zähne greift, was zu massivem Verschleiß an den Zahnrädern und zum Springen der Kette führt.
4. Seitliches Spiel (Torsion)
- Woran man es erkennt: Nehmen Sie die Kette in die Hände und versuchen Sie, sie seitlich zu verbiegen (wie einen Bogen).
- Gefahr: Wenn die Kette zu "labberig" ist, erhöht sich das Risiko, dass sie vom Kettenblatt abspringt, besonders unter Last oder bei Erschütterungen.
5. Sichtbare Verformung der Bolzen
- Woran man es erkennt: Die Bolzen, die die Glieder zusammenhalten, müssen bündig und gerade sitzen. Wenn ein Bolzenkopf abgeschliffen ist oder auf einer Seite weiter herausteht als bei den anderen Gliedern, ist das Glied instabil.
- Gefahr: Der Bolzen kann aus der Lasche rutschen ("Entnieten"), wodurch die Kette sofort reißt.
6. Kettenlängung (Das Standardmaß)
Auch wenn die einzelnen Glieder gut aussehen, verschleißen die Bolzen und Hülsen im Inneren, wodurch die Kette insgesamt länger wird.
- Prüfung mit der Kettenlehre: Ein spezielles Werkzeug wird in die Kette eingelegt. Fällt die Lehre komplett hinein, ist die Kette gelängt.
- Prüfung per Hand: Versuchen Sie, die Kette am vorderen Kettenblatt nach vorne wegzuziehen. Wenn Sie sie mehr als einen halben Zentimeter abheben können und man die Zähne des Kettenblatts deutlich sieht, ist sie verschlissen.
7. Korrosion (Rost)
- Oberflächlicher Flugrost ist meist nur ein Zeichen mangelnder Pflege.
- Tiefer Lochfraß (Pitting): Wenn der Rost tiefe Narben im Metall hinterlassen hat, ist die strukturelle Integrität nicht mehr gewährleistet. Rost im Inneren der Glieder führt zudem zu dem oben genannten Versteifen.
Zusammenfassung: Wann ist es "Gefährlich"?
Ein Austausch ist unverzüglich notwendig, wenn:
- Risse sichtbar sind (Egal wie klein).
- Ein Bolzen locker ist oder heraussteht.
- Die Längung das zulässige Maß überschritten hat (beim Fahrrad meist 0,75% bis 1%).
- Mehrere Glieder trotz Reinigung und Ölen steif bleiben.
Pro-Tipp: Reinigen Sie die Kette vor der Inspektion gründlich. Unter einer dicken Fett- und Schmutzschicht lassen sich Haarrisse oder Verformungen kaum erkennen.