Welche Fehler bei der Schmierung führen zu vorzeitigem Verschleiß von Antriebsketten?
Die Schmierung ist der entscheidende Faktor für die Lebensdauer einer Antriebskette. Schätzungen zufolge sind über 60 % aller Kettenausfälle auf eine falsche oder unzureichende Schmierung zurückzuführen.
Hier sind die häufigsten Fehler, die zu vorzeitigem Verschleiß führen:
1. Schmierung an der falschen Stelle
Dies ist der häufigste Fehler. Viele Anwender sprühen das Schmiermittel einfach auf die Außenlaschen der Kette.
- Das Problem: Der Verschleiß findet im Inneren der Kette statt – zwischen Bolzen und Buchse.
- Die Folge: Das Öl erreicht die kritischen Gelenkstellen nicht. Die Kette läuft intern trocken, was zu massiver Reibung, Hitze und Längung führt.
- Richtig: Das Schmiermittel muss gezielt in den Spalt zwischen den Innen- und Außenlaschen sowie zwischen Buchse und Rolle aufgebracht werden.
2. Verwendung des falschen Schmiermittels
Nicht jedes Öl oder Fett ist für Ketten geeignet.
- Zu hohe Viskosität (zu dickflüssig): Das Öl ist zu zäh, um durch die engen Kapillarspalte in das Gelenkinnere vorzudringen. Es bleibt nur oberflächlich haften.
- Zu niedrige Viskosität (zu dünnflüssig): Das Öl wird durch die Fliehkräfte bei hohen Geschwindigkeiten einfach abgeschleudert („Abschleudereffekt“).
- Ungeeignete Mittel: Die Verwendung von WD-40 oder ähnlichen Rostlösern als dauerhaftes Schmiermittel ist fatal. Diese Mittel entfetten eher, als dass sie dauerhaft schmieren.
3. „Viel hilft viel“ – Übermäßige Schmierung in staubiger Umgebung
Ein Übermaß an Schmiermittel kann kontraproduktiv sein, besonders in schmutzigen Umgebungen (z. B. Landwirtschaft, Holzverarbeitung).
- Das Problem: Das überschüssige Öl bindet Staub, Sand und Schmutz.
- Die Folge: Es bildet sich eine abrasive „Schleifpaste“. Diese wirkt wie Schmirgelpapier im Kettengelenk und zerstört Bolzen und Buchsen in Rekordzeit.
- Richtig: Nach dem Schmieren überschüssiges Öl mit einem Lappen abwischen oder Trockenschmierstoffe verwenden.
4. Schmieren einer verschmutzten Kette
Wird neues Schmiermittel auf eine stark verschmutzte Kette aufgetragen, trägt dies den Dreck oft erst recht in die Gelenke hinein.
- Die Folge: Der Schmutz wird im Inneren „eingeschlossen“, was den Verschleiß beschleunigt.
- Richtig: Die Kette sollte vor der Neuschmierung gereinigt werden (mit einer Bürste oder speziellen Kettenreinigern, niemals mit einem Hochdruckreiniger, da dieser Wasser in die Gelenke drückt).
5. Falsches Timing (Schmieren unmittelbar vor Betrieb)
Viele schmieren die Kette direkt, bevor sie die Maschine einschalten.
- Das Problem: Das Schmiermittel hat keine Zeit, in die Gelenke einzuziehen und die Lösungsmittel (bei Sprays) zu verflüchtigen.
- Die Folge: Ein Großteil des Öls wird beim Start sofort abgeschleudert.
- Richtig: Die Kette idealerweise nach dem Betrieb schmieren, solange sie noch warm ist. Dann ist das Öl fließfähiger, zieht besser ein und kann über Nacht „setzen“.
6. Ignorieren der Umgebungsbedingungen
Ein Schmiermittel, das in einer trockenen Halle funktioniert, versagt bei extremer Feuchtigkeit, Hitze oder chemischen Einflüssen.
- Das Problem: Feuchtigkeit führt zu Korrosion (Rost), was die Oberfläche der Bolzen aufraut und die Reibung erhöht. Hitze lässt dünne Öle verdampfen oder verkokeln.
- Richtig: Spezialschmierstoffe für die jeweilige Umgebung wählen (z. B. wasserfeste Schmierstoffe oder Hochtemperaturöle).
7. Unregelmäßige Schmierintervalle
Schmierung wird oft als „nachrangige Wartung“ behandelt.
- Das Problem: Ist der Schmierfilm erst einmal abgerissen, kommt es sofort zu Metall-auf-Metall-Kontakt. Die dabei entstehenden Mikroverschweißungen führen zu schnellem Materialabtrag.
- Die Folge: Unregelmäßiger Kettenlauf, erhöhte Geräuschentwicklung und schließlich Kettenbruch.
Zusammenfassung: Wie man es richtig macht
- Reinigen: Groben Schmutz entfernen.
- Gezielt auftragen: In die Laschenzwischenräume schmieren.
- Kriechfähigkeit nutzen: Ein Schmiermittel wählen, das dünnflüssig genug ist, um einzuziehen, aber nach dem Ablüften zäh genug ist, um zu haften.
- Einwirken lassen: Schmieren nach der Arbeit, nicht kurz davor.
- Dosierung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich (außen trocken halten).