Welche Medikamente können über ein Inhaliergerät verabreicht werden?

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Die Verabreichung von Medikamenten über ein Inhaliergerät (Inhalationstherapie) hat den großen Vorteil, dass der Wirkstoff direkt an den Ort des Geschehens – die Atemwege – gelangt. Dadurch wirkt er schneller und es sind meist geringere Dosen nötig, was die Nebenwirkungen im restlichen Körper reduziert.

Man unterscheidet grob zwischen Medikamenten zur Erweiterung der Atemwege, zur Hemmung von Entzündungen, zur Schleimlösung und zur Bekämpfung von Infektionen.

Hier ist eine Übersicht der gängigsten Medikamentengruppen:

1. Bronchienerweiterer (Bronchodilatoren)

Diese Medikamente entspannen die Muskulatur der Bronchien und helfen sofort bei Atemnot oder zur Vorbeugung.

  • Reliever (Bedarfsmedikamente): Wirken sehr schnell (innerhalb von Minuten). Der bekannteste Wirkstoff ist Salbutamol (ein kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum, SABA). Auch Fenoterol oder Terbutalin gehören dazu.
  • Controller (Langzeitmedikamente): Wirken über 12 bis 24 Stunden und halten die Atemwege offen. Beispiele sind Formoterol oder Salmeterol (LABA).
  • Anticholinergika: Eine weitere Gruppe von Erweiterern (z. B. Ipratropiumbromid oder Tiotropium), die oft bei COPD eingesetzt werden.

2. Entzündungshemmer (Kortikosteroide)

Diese werden meist dauerhaft eingenommen, um die chronische Entzündung in den Atemwegen zu bekämpfen (z. B. bei Asthma).

  • Inhalative Kortikosteroide (ICS): Bekannte Wirkstoffe sind Budesonid, Fluticason oder Beclometason. Sie verhindern Schwellungen der Schleimhäute und übermäßige Schleimbildung.

3. Kombinationspräparate

Häufig werden ein Entzündungshemmer (ICS) und ein langwirksamer Bronchienerweiterer (LABA) in einem Inhalator kombiniert (z. B. Budesonid + Formoterol), um die Anwendung zu vereinfachen.

4. Schleimlöser und Befeuchtung

Diese Wirkstoffe werden oft über Düsen- oder Ultraschallvernebler (Geräte mit Maske oder Mundstück) inhaliert.

  • Kochsalzlösungen (NaCl): Isotonische Kochsalzlösung (0,9 %) dient zur Befeuchtung der Schleimhäute bei Erkältungen. Hypertonische Kochsalzlösung (3 % oder 6 %) wird genutzt, um festsitzenden Schleim (z. B. bei Mukoviszidose oder schwerer Bronchitis) zu lösen.
  • Sekretolytika: Wirkstoffe wie Ambroxol oder Acetylcystein (ACC) können in speziellen Inhalationslösungen verwendet werden, um den Schleim zu verflüssigen.

5. Antibiotika und Antipilzmittel

Bei chronischen Lungenerkrankungen (wie Mukoviszidose oder Bronchiektasen) können Antibiotika direkt inhaliert werden, um Bakterien in der Lunge zu bekämpfen.

  • Beispiele: Tobramycin, Colistin oder Aztreonam.

6. Medikamente gegen Lungenhochdruck

In spezialisierten Fällen werden Wirkstoffe wie Iloprost inhaliert, um den Blutdruck in den Lungengefäßen zu senken.


Wichtige Unterscheidung der Geräte:

Je nach Medikament wird ein anderer Gerätetyp verwendet:

  1. Dosieraerosole (Sprays): Der Wirkstoff wird durch ein Treibmittel freigesetzt.
  2. Pulverinhalatoren: Der Patient muss den Wirkstoff durch einen kräftigen Atemzug selbst einsaugen.
  3. Vernebler (z. B. Pari Boy): Verwandeln flüssige Medikamente in einen feinen Nebel. Besonders für Kinder, ältere Menschen oder bei akuten Infekten geeignet.

Wichtiger Hinweis: Inhalative Medikamente (außer einfache Kochsalzlösungen) sind fast immer rezeptpflichtig. Die Wahl des Medikaments und die korrekte Inhalationstechnik müssen unbedingt mit einem Arzt besprochen werden, da eine falsche Anwendung (z. B. zu schwaches Einatmen oder falsches Timing) die Wirkung zunichtemachen kann.

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