Welche Gefahr besteht, wenn der Beckengurt bei einer Sitzerhöhung über den Bauch statt über die Hüfte verläuft?
Wenn der Beckengurt bei einer Sitzerhöhung über den Bauch statt über die Hüftknochen verläuft, besteht bei einem Unfall oder einer starken Bremsung Lebensgefahr.
Das Hauptproblem ist, dass der Bauchraum im Gegensatz zum Becken keine schützenden Knochen hat. Hier sind die spezifischen Gefahren:
1. Schwere Verletzungen der inneren Organe
Bei einem Aufprall wirken enorme Kräfte. Wenn der Gurt über den weichen Bauch verläuft, schneidet er tief in das Gewebe ein. Dabei können lebenswichtige Organe wie Leber, Milz, Darm oder die Nieren gequetscht oder sogar zerrissen werden. Es kommt zu massiven inneren Blutungen, die oft nicht sofort äußerlich sichtbar sind, aber tödlich enden können.
2. Verletzungen der Wirbelsäule (Klappmesser-Effekt)
Da der Gurt den Körper nicht am stabilen Becken zurückhält, knickt der Oberkörper bei einem Aufprall ruckartig um den Gurt im Bauchbereich nach vorne (wie bei einem Klappmesser). Dies führt zu einer extremen Belastung der Lendenwirbelsäule, was Wirbelbrüche und im schlimmsten Fall eine Querschnittslähmung zur Folge haben kann.
3. Das "Submarining" (Untertauchen)
Wenn der Gurt zu hoch sitzt, besteht die Gefahr, dass das Kind unter dem Gurt hindurchrutscht („Submarining“). Dabei verfängt sich der Gurt noch tiefer im Bauchraum oder sogar am Hals, was die Strangulationsgefahr erhöht und die Schutzwirkung des Gurtes komplett aufhebt.
Warum passiert das oft bei Sitzerhöhungen?
Dieses Risiko besteht besonders bei einfachen Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne und ohne seitliche Gurtführungen (sogenannte „Hörnchen“).
- Die Funktion der Hörnchen: Die seitlichen Führungen an einer Sitzerhöhung sind dazu da, den Beckengurt tief unten zu halten, damit er über die stabilen Beckenknochen verläuft.
- Zu frühes Wechseln: Wenn das Kind noch zu klein für die Sitzerhöhung ist, rutscht der Gurt automatisch in den Bauchraum.
Fazit für die Sicherheit:
- Der Gurt muss immer stramm über die Hüftknochen verlaufen.
- Verwenden Sie idealerweise Sitzerhöhungen mit Rückenlehne und Kopfstütze (Kindersitz der Gruppe 2/3), da diese auch den Schultergurt optimal führen und bei einem Seitenaufprall schützen.
- Achten Sie darauf, dass das Kind nicht im Sitz „lümmelt“, da dadurch der Gurt wieder von der Hüfte auf den Bauch rutschen kann.