Welche Brandgefahr geht von der extrem hohen Entzündlichkeit des Starthilfe-Sprays im Motorraum aus?
Die Brandgefahr, die von Starthilfe-Sprays (oft auf Basis von Diethylether) im Motorraum ausgeht, ist extrem hoch und wird oft unterschätzt. Das Gefahrenpotenzial ergibt sich aus der chemischen Zusammensetzung und den physikalischen Eigenschaften des Sprays.
Hier sind die spezifischen Gefahren im Detail:
1. Extrem niedriger Flammpunkt und Zündtemperatur
Starthilfe-Sprays sind darauf ausgelegt, sich extrem leicht zu entzünden, damit der Motor auch bei großer Kälte anspringt.
- Flammpunkt: Dieser liegt oft bei ca. -45 °C. Das bedeutet, das Spray bildet bereits bei arktischen Temperaturen zündfähige Gase.
- Selbstentzündungstemperatur: Ether entzündet sich bereits bei etwa 160 °C bis 170 °C von selbst. Zum Vergleich: Ein Turbolader oder ein Abgaskrümmer kann im Betrieb mehrere hundert Grad heiß werden. Sprüht man auf einen noch warmen Motor, kann sich das Spray sofort ohne Funken entzünden.
2. Explosionsgefahr durch Gasansammlung (Dampfwolke)
Die Dämpfe von Starthilfe-Sprays sind schwerer als Luft.
- Wenn man zu viel sprüht, sinken die Dämpfe nach unten und sammeln sich in Vertiefungen des Motorraums oder in der Bodenwanne.
- Ein einziger Funke (z. B. von einer maroden Zündleitung, der Lichtmaschine oder dem Anlasser) kann diese unsichtbare Gaswolke entzünden. Es kommt zu einer Verpuffung oder Explosion unter der Motorhaube.
3. Gefahr von Rückschlägen (Backfire)
Wenn das Spray in den Luftfilter oder Ansaugtrakt gesprüht wird und der Motor während des Startvorgangs eine Fehlzündung hat, kann die Flamme in den Ansaugtrakt zurückschlagen.
- Da dort noch konzentriertes Spray vorhanden ist, kann der gesamte Luftfilterkasten explodieren oder in Brand geraten.
4. Risiko bei Dieselmotoren mit Glühanlage
Bei Dieselmotoren ist die Gefahr besonders groß, wenn die Glühkerzen aktiv sind.
- Das Spray entzündet sich an den glühenden Stiften sofort und unkontrolliert, noch bevor der Kolben den oberen Totpunkt erreicht hat. Dies kann nicht nur zu einem Brand führen, sondern auch den Motor mechanisch zerstören (Pleuelbruch, Kolbenschaden).
5. Docht-Effekt und brennbare Rückstände
Das Spray kann sich auf öligen oder schmutzigen Oberflächen im Motorraum niederschlagen. Diese Oberflächen wirken dann wie ein Docht. Ein kleiner Funke genügt, um einen flächigen Brand auszulösen, der durch Öl- und Fettreste zusätzlich genährt wird.
Zusammenfassung der Sicherheitsregeln:
- Nur kurz sprühen: Maximal 1 bis 2 Sekunden während des Startvorgangs.
- Abstand halten: Niemals auf heiße Teile (Krümmer, Auspuff) sprühen.
- Zündquellen meiden: Nicht rauchen, keine offenen Flammen, auf Funkenflug achten.
- Nicht bei aktiven Glühanlagen: Bei modernen Dieseln ist die Verwendung oft riskant, da die Elektronik vorglüht, ohne dass man es merkt.
- Belüftung: Nach einem missglückten Startversuch kurz warten, damit sich die Dämpfe verflüchtigen können.
Fazit: Die Brandgefahr ist deshalb so hoch, weil das Spray eine „ideale“ Zündquelle darstellt, die bereits auf kleinste thermische oder elektrische Reize reagiert. Ein unsachgemäßer Umgang kann innerhalb von Sekunden zu einem Vollbrand des Motorraums führen.