Warum kann die Verwendung von Starthilfe-Spray den schmierenden Ölfilm an den Zylinderwänden abwaschen?
Die Verwendung von Starthilfe-Spray (das meist aus hochentzündlichen Stoffen wie Diethylether besteht) kann den schmierenden Ölfilm an den Zylinderwänden aus chemischen und physikalischen Gründen "abwaschen".
Hier sind die genauen Ursachen dafür:
1. Starke Lösungmitteleigenschaften
Die Hauptkomponente vieler Starthilfesprays ist Ether. Ether ist ein extrem wirksames Lösungsmittel für Fette und Öle. Wenn das Spray in den Ansaugtrakt gesprüht wird und in den kalten Brennraum gelangt, trifft es auf den dünnen Ölfilm, der die Zylinderwände bedeckt. Aufgrund seiner chemischen Struktur löst der Ether das Motoröl einfach auf und zersetzt dessen Viskosität.
2. Kondensation an kalten Wänden
Starthilfe-Spray wird meistens dann verwendet, wenn der Motor sehr kalt ist. Wenn das gasförmige oder fein zerstäubte Spray in den eiskalten Zylinder gelangt, schlägt es sich teilweise als Flüssigkeit an den Zylinderwänden nieder (Kondensation). In flüssiger Form ist die löisende Wirkung auf das Öl noch intensiver als in gasförmigem Zustand. Das Öl verliert seine Haftung an der Metalloberfläche und fließt zusammen mit dem Spray nach unten ab.
3. Fehlende Schmierung beim Startvorgang (Trockenlauf)
Normalerweise sorgt der Ölfilm dafür, dass die Kolbenringe ohne direkten Metall-auf-Metall-Kontakt über die Zylinderwand gleiten. Wenn der Ether den Film abgewaschen hat, entsteht Festkörperreibung (Trockenlauf). Da beim Starten des Motors ohnehin noch kein voller Öldruck anliegt, dauert es einige Sekunden, bis neues Öl durch die Kolbenbewegungen und die Ölpumpe an die Wände befördert wird. In dieser Zeit reiben die Metallteile direkt aufeinander.
4. Verdünnung des Restöls
Zusätzlich zum Abwaschen des Films kann das flüssige Starthilfespray an den Kolbenringen vorbei in die Ölwanne gelangen (Blow-by). Dort vermischt es sich mit dem Motoröl und verdünnt es, was die Schmierfähigkeit des gesamten Ölvorrats herabsetzen kann, wenn das Spray im Übermaß verwendet wird.
Die Folgen:
- Erhöhter Verschleiß: Die Kolbenringe und Zylinderlaufflächen nutzen sich extrem schnell ab.
- Riefenbildung: Es können feine Kratzer oder tiefe Riefen in der Zylinderwand entstehen (Kolbenfresser-Gefahr).
- Kompressionsverlust: Durch die Beschädigung der Oberflächen dichten die Kolbenringe nicht mehr perfekt ab, was die Motorleistung dauerhaft senkt.
Zusammenfassung
Das Spray wirkt wie ein Entfetter. Es macht genau das Gegenteil von dem, was das Motoröl tun soll: Es entfernt die Gleitschicht und lässt das Metall "trocken" aufeinander reiben. Deshalb sollte Starthilfe-Spray nur sehr sparsam und nur im Notfall verwendet werden.