Welche Brandgefahr geht von alkoholhaltigen Händedesinfektionsmitteln aus?
Alkoholhaltige Händedesinfektionsmittel sind aufgrund ihres hohen Ethanolgehalts (meist zwischen 60 % und 95 %) als leichtentzündlich eingestuft. Von ihnen geht eine ernstzunehmende Brand- und Explosionsgefahr aus, wenn sie nicht sachgemäß gehandhabt werden.
Hier sind die spezifischen Gefahren im Detail:
1. Niedriger Flammpunkt
Die meisten Händedesinfektionsmittel haben einen Flammpunkt, der oft zwischen 18 °C und 23 °C liegt. Das bedeutet, dass sie bereits bei normaler Raumtemperatur dämpfe abgeben, die sich bei Kontakt mit einer Zündquelle sofort entzünden können.
2. Bildung explosionsfähiger Gemische
Wenn Desinfektionsmittel verdunstet (z. B. in kleinen, schlecht belüfteten Räumen oder wenn eine größere Menge verschüttet wird), vermischen sich die Alkoholdämpfe mit der Umgebungsluft. Es entsteht eine explosionsfähige Atmosphäre. Ein Funke (z. B. durch einen Lichtschalter oder statische Aufladung) kann dann eine Verpuffung auslösen.
3. Statische Aufladung
Eine oft unterschätzte Gefahr ist die Elektrostatik. Wenn man sich die Hände desinfiziert und unmittelbar danach einen metallischen Gegenstand berührt (z. B. eine Türklinke oder ein Autodach), kann ein kleiner Entladungsfunke entstehen. Wenn der Alkohol an den Händen noch nicht vollständig verflogen ist, können die Hände in Flammen aufgehen.
4. Fast unsichtbare Flamme
Alkoholbrände brennen mit einer blassblauen, fast unsichtbaren Flamme (besonders bei hellem Tageslicht). Das ist besonders gefährlich, weil:
- ein Brand oft erst spät bemerkt wird.
- Personen versehentlich in die Flammen greifen oder laufen könnten.
- man denkt, ein Feuer sei gelöscht, obwohl es noch brennt.
5. Gefahr bei der Lagerung
Größere Mengen an Desinfektionsmitteln stellen im Falle eines Gebäudabrandes eine enorme Brandlast dar. Sie wirken als Brandbeschleuniger. Zudem können Behälter unter Hitzeeinwirkung bersten (physikalische Explosion), was zu einer schlagartigen Brandausbreitung führt.
Wichtige Sicherheitshinweise im Umgang:
- Vollständig trocknen lassen: Verreiben Sie das Mittel so lange auf den Händen, bis diese vollständig trocken sind (ca. 30 Sekunden). Erst danach dürfen Zündquellen (Zigaretten, Herde) bedient oder Metall berührt werden.
- Zündquellen fernhalten: Rauchen Sie niemals unmittelbar während oder nach der Desinfektion. Benutzen Sie keine Feuerzeuge.
- Lagerung: Bewahren Sie die Flaschen kühl, trocken und fern von Hitzequellen (Heizung, Sonneneinstrahlung im Auto) auf.
- Verschüttungen: Falls eine größere Menge ausläuft, sofort mit Wasser verdünnen, aufwischen und den Raum gut lüften.
- Behälter schließen: Lassen Sie Flaschen nicht offen stehen, um unnötige Verdunstung zu vermeiden.
Fazit: Bei normalem Gebrauch im Alltag ist das Risiko gering, solange man die Einwirkzeit abwartet, bis der Alkohol verflogen ist. Die größte Gefahr besteht durch Unachtsamkeit (z. B. Rauchen direkt nach dem Auftragen).