Welche gesundheitlichen Risiken bestehen beim versehentlichen Verschlucken von Händedesinfektionsmitteln?
Das versehentliche Verschlucken von Händedesinfektionsmittel ist gefährlich, da diese Mittel in der Regel eine sehr hohe Konzentration an Alkoholen (meist Ethanol oder Isopropanol) enthalten – oft zwischen 60 % und 95 %.
Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken, unterteilt nach Wirkstoffen und Personengruppen:
1. Akute Alkoholvergiftung
Da Desinfektionsmittel eine viel höhere Alkoholkonzentration haben als herkömmliche Spirituosen (Wodka hat ca. 40 %, Desinfektionsmittel bis zu 95 %), kann bereits eine kleine Menge zu einer schweren Vergiftung führen.
- Symptome: Schwindel, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen, lallende Sprache und Koordinationsstörungen.
- Schwere Fälle: Atemdepression (flache Atmung), Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und Koma.
2. Spezielle Risiken durch Isopropanol (2-Propanol)
Viele Desinfektionsmittel enthalten Isopropanol anstelle von Ethanol. Isopropanol wirkt etwa doppelt so stark berauschend wie Ethanol und wird im Körper zu Aceton abgebaut.
- Folgen: Es führt zu einer stärkeren Reizung des Magen-Darm-Trakts und einer länger anhaltenden Dämpfung des Zentralnervensystems. Zudem droht eine Übersäuerung des Blutes (Azidose).
3. Gefahr für Kinder (Besonders kritisch)
Für kleine Kinder ist bereits eine sehr geringe Menge (einige Schlucke) lebensgefährlich.
- Hypoglykämie (Blutzuckerabfall): Alkohol hemmt bei Kindern die Neubildung von Zucker in der Leber. Ein gefährlich niedriger Blutzuckerspiegel kann zu Krampfanfällen und bleibenden Hirnschäden führen.
- Körpergewicht: Aufgrund des geringen Gewichts erreichen Kinder sehr schnell kritische Blutalkoholwerte.
4. Reizungen der Schleimhäute
Die Alkohole sowie enthaltene Zusatzstoffe (wie Wasserstoffperoxid oder Duftstoffe) wirken stark reizend auf die Schleimhäute von Mund, Speiseröhre und Magen. Dies kann zu Brennen, Schmerzen und Entzündungen führen.
5. Aspirationsgefahr
Wenn die betroffene Person erbricht, besteht die Gefahr, dass das alkoholhaltige Gemisch in die Lunge gelangt (Aspiration). Dies kann zu schweren Lungenschäden oder einer chemischen Lungenentzündung führen.
Was ist im Notfall zu tun?
- Kein Erbrechen herbeiführen! Dies kann die Speiseröhre erneut reizen und die Gefahr erhöhen, dass Flüssigkeit in die Lunge gelangt.
- Mund ausspülen: Reste des Mittels mit Wasser ausspülen.
- Wasser trinken: Ein paar Schlucke stilles Wasser oder Tee trinken, um das Mittel im Magen zu verdünnen (keine kohlensäurehaltigen Getränke, keine Milch).
- Giftnotruf oder Notarzt kontaktieren:
- Bei schweren Symptomen (Bewusstlosigkeit, Atemnot): Notruf 112.
- Bei geringen Mengen oder Unsicherheit: Den Giftnotruf der Region anrufen (in Deutschland z. B. Bonn, Berlin oder München – die Nummern sind online schnell findbar).
- Flasche bereithalten: Für den Arzt ist es wichtig zu wissen, welche Inhaltsstoffe (Ethanol, Isopropanol, etc.) das Mittel hatte.
Prävention: Händedesinfektionsmittel sollten immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Viele Produkte enthalten Bitterstoffe (wie Denatoniumbenzoat), um ein Verschlucken größerer Mengen zu verhindern, aber darauf sollte man sich nicht verlassen.
Hinweis: Diese Informationen dienen der Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Im Verdachtsfall immer sofort medizinischen Rat einholen.