Welche Auswirkungen hat die Kraut- und Knollenfäule auf die Verwendbarkeit der Ernte?
Melden
Die Kraut- und Knollenfäule (verursacht durch den Eipilz Phytophthora infestans) ist die weltweit bedeutendste Kartoffelkrankheit. Ihre Auswirkungen auf die Verwendbarkeit der Ernte sind gravierend und lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen:
1. Einschränkungen beim Verzehr (Speisekartoffeln)
- Optische Mängel: Infizierte Knollen zeigen oberflächlich eingesunkene, bleigraue bis bräunliche Flecken. Im Inneren ist das Fleisch rotbraun verfärbt und weist eine meist trockene Fäulnis auf, die vom Rand nach innen zieht.
- Geschmacksveränderungen: Befallene Kartoffeln schmecken oft leicht bitter oder unangenehm muffig.
- Gesundheitsaspekt: Der Erreger selbst ist für den Menschen nicht giftig. Allerdings siedeln sich auf dem geschädigten Gewebe oft Sekundärerreger (Bakterien oder andere Pilze) an, die Toxine produzieren können. Stark befallene Stellen sollten daher großzügig weggeschnitten oder die gesamte Knolle entsorgt werden.
2. Lagerfähigkeit (Das Hauptproblem)
Die Kraut- und Knollenfäule ist im Lager extrem problematisch:
- Fäulnisnester: Infizierte Knollen neigen dazu, im Lager matschig zu werden. Durch austretende Feuchtigkeit und Kontakt stecken sie gesunde Nachbarknollen an.
- Sekundärinfektionen: Häufig folgt auf den Pilzbefall eine bakterielle Nassfäule. Diese führt dazu, dass ganze Lagerpartien innerhalb kurzer Zeit komplett verfaulen und einen stechenden Geruch entwickeln.
- Hoher Sortieraufwand: Um einen Totalverlust im Lager zu verhindern, muss die Ernte extrem akribisch sortiert werden, was hohe Arbeitskosten verursacht.
3. Industrielle Verarbeitbarkeit (Pommes, Chips, Stärke)
- Ausschuss in der Produktion: Bei der Herstellung von Chips oder Pommes Frites führen die braunen Verfärbungen zu optischen Fehlern. Solche Stellen verbrennen beim Frittieren schneller und sehen unappetitlich aus.
- Schälverluste: Da der Befall meist von der Schale ausgeht, müssen befallene Partien tiefer geschält werden, was die Ausbeute massiv verringert.
- Stärkequalität: Bei starkem Befall sinkt der Stärkegehalt der Knollen, was sie für die Stärkeindustrie minderwertig macht.
4. Verwendung als Pflanzgut
- Völlige Ungeeignetheit: Infizierte Knollen dürfen niemals als Pflanzgut verwendet werden. Der Pilz überwintert im Knollengewebe. Setzt man eine infizierte Kartoffel in die Erde, wächst der Pilz direkt in den neuen Trieb hinein und löst eine frühzeitige Epidemie im neuen Jahr aus.
5. Ertragsverlust (Quantität)
- Vorzeitiges Absterben: Wenn das Kraut früh in der Saison befallen wird, stirbt die Pflanze ab, bevor die Knollen ihre volle Größe erreichen konnten. Das führt zu kleinen Kartoffeln (Untergrößen) und einem insgesamt geringen Ertrag.
Zusammenfassung der Verwendbarkeit:
- Leichter Befall: Nach tiefem Ausschneiden noch für den sofortigen Eigenverbrauch geeignet, aber nicht lagerfähig.
- Mittlerer bis starker Befall: Nicht mehr für den Handel oder die industrielle Verarbeitung geeignet. Oft nur noch als Tierfutter (nach Dämpfen/Kochen) oder in der Biogasanlage verwertbar.
- Pflanzgut: Absolutes Tabu.
Tipp für Gärtner: Wenn Anzeichen von Krautfäule an den Blättern auftreten, sollte das Kraut frühzeitig abgeschnitten und entfernt werden (nicht auf den Kompost!), um zu verhindern, dass die Sporen bei Regen in den Boden zu den Knollen gewaschen werden.