Welche Auswirkungen hat eine zu hohe Nackenstütze auf die Halswirbelsäule?
Eine zu hohe Nackenstütze (oder ein zu hohes Kopfkissen) beeinträchtigt die natürliche Ausrichtung der Wirbelsäule massiv. Idealerweise sollte die Halswirbelsäule (HWS) im Schlaf die Fortsetzung der geraden Brustwirbelsäule bilden. Ist das Kissen zu hoch, wird diese Linie unterbrochen.
Hier sind die spezifischen Auswirkungen auf die Halswirbelsäule und den Körper:
1. Fehlstellung der Wirbel (Überdehnung und Stauchung)
- In Seitenlage: Der Kopf wird nach oben gedrückt. Dadurch knickt die Halswirbelsäule seitlich ab. Die Wirbelgelenke auf der oberen Seite werden überdehnt, während sie auf der unteren Seite (zum Kissen hin) gestaucht werden.
- In Rückenlage: Das Kinn wird zu stark Richtung Brust gedrückt. Die natürliche Vorwärtswölbung der HWS (Lordose) wird aufgehoben oder sogar in eine Fehlstellung (Kyphose) gezwungen. Dies belastet die Bandscheiben ungleichmäßig.
2. Muskuläre Verspannungen
Die Muskulatur versucht im Schlaf instinktiv, die Fehlstellung auszugleichen. Da sie sich dabei nicht entspannen kann, entstehen:
- Hartspann: Die Muskeln verhärten sich dauerhaft.
- Schulterschmerzen: Da Nacken- und Schultermuskulatur eng verbunden sind (z. B. der Trapezmuskel), ziehen die Verspannungen oft bis in die Schulterblätter.
- Morgensteifigkeit: Man wacht mit dem Gefühl auf, "eingerostet" zu sein oder den Kopf nicht frei drehen zu können.
3. Bandscheibenprobleme
Bandscheiben benötigen Entlastung, um sich nachts mit Flüssigkeit und Nährstoffen zu füllen. Durch den einseitigen Druck bei einem zu hohen Kissen wird dieser Regenerationsprozess gestört. Langfristig kann dies den Verschleiß fördern und das Risiko für einen Bandscheibenvorfall im Bereich der HWS erhöhen.
4. Neurologische Auswirkungen (Nervenreizungen)
Durch die Fehlstellung und die muskulären Verspannungen können Nervenaustritte eingeengt werden. Das führt zu:
- Einschlafen der Hände/Arme: Oft kribbeln die Finger (Ameisenlaufen) oder der ganze Arm wird taub.
- Zervikogener Kopfschmerz: Kopfschmerzen, die vom Nacken ausstrahlen (oft einseitig bis hinter das Auge).
- Schwindel und Tinnitus: Verspannungen der oberen Halswirbel (Atlas/Axis) können das Gleichgewichtssystem und die Durchblutung zum Innenohr beeinflussen.
5. Beeinträchtigung der Atmung und Durchblutung
- In Rückenlage kann ein zu hohes Kissen die Atemwege leicht verengen, was Schnarchen begünstigt.
- Die Blutzufuhr zum Gehirn kann durch den Druck auf die Wirbelarterien minimal beeinträchtigt werden, was zu unruhigem Schlaf und morgendlicher Benommenheit führen kann.
Woran merken Sie, ob das Kissen zu hoch ist?
- Schulter-Check: In Seitenlage sollte die Schulter auf der Matratze liegen und nicht auf dem Kissen. Wenn die Schulter auf dem Kissen liegt, wird der Kopf automatisch zu hoch gelagert.
- Die Linie: Lassen Sie jemanden ein Foto von Ihnen in Seitenlage machen. Ihre Nasenspitze, Ihr Kinn und die Mitte Ihres Brustbeins sollten eine gerade Linie bilden, die parallel zur Matratze verläuft.
- Gefühl: Wenn Sie das Bedürfnis haben, den Arm unter das Kissen zu schieben, ist das Kissen oft eher zu flach. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, Ihr Kopf werde nach vorne "gehebelt", ist es zu hoch.
Fazit: Ein Kissen sollte lediglich die Lücke zwischen Kopf und Matratze (unter Berücksichtigung der Einsinktiefe der Schulter) füllen. Ein zu hohes Kissen ist einer der häufigsten Gründe für chronische Nackenschmerzen.