Warum ziehen sich minderwertige Erden beim Trocknen extrem weit vom Topfrand zusammen?

Melden

Das extreme Zusammenziehen von preiswerter oder minderwertiger Erde liegt vor allem an ihrer Zusammensetzung und dem physikalischen Verhalten ihrer Hauptbestandteile.

Hier sind die Hauptgründe, warum das passiert:

1. Hoher Anteil an Schwarztorf

Minderwertige Erden bestehen oft zu einem sehr großen Prozentsatz aus Torf (insbesondere dem günstigen, stark zersetzten Schwarztorf).

  • Wie ein Schwamm: Torf funktioniert wie ein organischer Schwamm. Er kann enorme Mengen Wasser speichern und quillt dabei auf.
  • Volumenverlust: Sobald dieses Wasser verdunstet, schrumpfen die Torffasern massiv zusammen. Da in billiger Erde kaum strukturgebende Stoffe enthalten sind, gibt es kein „Gerüst“, das die Erde in Form hält. Das gesamte Substrat zieht sich zur Mitte hin zusammen.

2. Fehlende Strukturstoffe (Zuschlagstoffe)

Hochwertige Erden enthalten meist einen Mix aus verschiedenen Materialien, die für Stabilität sorgen, auch wenn die Erde trocken wird. In billiger Erde fehlen diese oft, um Kosten zu sparen:

  • Perlite oder Blähton: Diese mineralischen Stoffe verändern ihr Volumen nicht. Sie bilden ein Skelett in der Erde.
  • Kokosfasern oder Holzfasern: Diese Fasern schrumpfen deutlich weniger als Torf und halten die Struktur aufrecht.
  • Sand: Sorgt für Gewicht und verhindert das extreme Schrumpfen.

3. Fehlende Benetzungsmittel

Wenn Torf einmal komplett ausgetrocknet ist, wird er hydrophob (wasserabweisend). Das ist ein großes Problem: Wenn man die geschrumpfte Erde gießt, fließt das Wasser einfach am Rand (in der entstandenen Lücke) ungenutzt nach unten ab, ohne dass der Erdkern feucht wird. Gute Erden enthalten oft chemische oder natürliche Benetzungsmittel, die dafür sorgen, dass die Erde auch nach Austrocknung sofort wieder Wasser aufnimmt. Bei Billigerden fehlen diese oft oder sind schnell ausgewaschen.

4. Schnelle Zersetzung

Minderwertige organische Bestandteile in billiger Erde (wie nicht ausreichend kompostierte Holzreste) werden durch Mikroorganismen im Topf schnell abgebaut. Dadurch verliert die Erde mit der Zeit ohnehin an Substanz und Dichte, was den Schrumpfeffekt bei Trockenheit noch verstärkt.


Was kann man tun, wenn die Erde geschrumpft ist?

  1. Tauchbad: Den ganzen Topf in einen Eimer Wasser stellen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. So kann sich der Torf wieder vollziehen und ausdehnen.
  2. Löcher stechen: Mit einem Stab vorsichtig Löcher in die harte Erde bohren, damit das Gießwasser ins Innere gelangt.
  3. Mulchen: Eine Schicht Sand oder feiner Kies obenauf verhindert, dass die Feuchtigkeit zu schnell nach oben verdunstet.
  4. Beim nächsten Mal: Beim Kauf auf "torfreduzierte" oder "torffreie" Qualitätserden achten, die einen hohen Anteil an Holzfasern, Perlite oder Kokosmark haben. Diese bleiben wesentlich strukturstabiler.
0