Warum ist das Trocknen der Hände mit einem benutzten Geschirrtuch hygienisch bedenklich?
Das Trocknen der Hände mit einem bereits benutzten Geschirrtuch gilt aus mehreren Gründen als hygienisch bedenklich. Man bezeichnet solche Tücher in der Mikrobiologie oft als „Keimschleudern“.
Hier sind die wichtigsten Gründe, warum das problematisch ist:
1. Feuchtwarmes Milieu
Bakterien und Pilze lieben Feuchtigkeit und Wärme. Ein Geschirrtuch wird oft mehrmals täglich benutzt und hängt meist in der Küche, wo es warm ist. Da es selten vollständig durchtrocknet, bietet es die ideale Umgebung für die Vermehrung von Mikroorganismen.
2. Kreuzkontamination (Der wichtigste Punkt)
Das ist das größte Risiko in der Küche. Ein Geschirrtuch kommt mit vielen Dingen in Kontakt:
- Speisereste: Man wischt damit vielleicht mal kurz einen Rest Soße vom Teller oder trocknet ein Messer ab, an dem noch Rohmilchreste oder Fleischsaft hafteten.
- Rohprodukte: Wenn man vorher Fleisch (z. B. Geflügel) oder ungewaschenes Gemüse verarbeitet hat und die Hände nur flüchtig wäscht und am Tuch abtrocknet, gelangen Erreger wie Salmonellen, Campylobacter oder E. coli in das Gewebe.
- Übertragung: Wenn du dir später die „sauberen“ Hände an diesem Tuch abtrocknest, überträgst du die gesammelten Keime des Tages direkt wieder auf deine Haut. Von dort gelangen sie beim Essen oder Kochen in den Mund oder auf andere Lebensmittel.
3. Multifunktionalität (Zweckentfremdung)
In vielen Haushalten wird das Geschirrtuch für alles benutzt: zum Abtrocknen von Geschirr, zum Abwischen der Arbeitsplatte, zum Anfassen heißer Topfdeckel und eben zum Händetrocknen. Durch diese Mehrfachnutzung sammeln sich unterschiedlichste Keimarten auf engstem Raum an.
4. Bakterienwachstum in kurzer Zeit
Studien haben gezeigt, dass sich auf benutzten Küchenhandtüchern innerhalb kürzester Zeit Millionen von Bakterien ansammeln können. Besonders kritisch sind Coli-Bakterien (Fäkalbakterien), die oft über ungewaschenes Gemüse oder mangelnde Handhygiene ins Tuch gelangen.
5. Illusion der Sauberkeit
Nach dem Händewaschen sind die Hände nass, aber sauber. Das Abtrocknen an einem schmutzigen Tuch macht den Reinigungseffekt zunichte. Man hat zwar das Gefühl, saubere Hände zu haben, verteilt aber faktisch einen unsichtbaren Biofilm aus Bakterien auf der Haut.
Wie macht man es richtig?
Um das Risiko von Infektionen oder Lebensmittelvergiftungen zu minimieren, empfehlen Experten folgende Maßnahmen:
- Trennung: Verwende ein separates Handtuch nur für die Hände und ein anderes nur für das Geschirr.
- Täglicher Wechsel: In einem Mehrpersonenhaushalt oder wenn viel gekocht wird, sollten Küchenhandtücher täglich gewechselt werden.
- Heiß waschen: Handtücher sollten bei mindestens 60 °C (besser 90 °C) mit einem vollwaschmittel (das Bleiche enthält) gewaschen werden, um Bakterien und Pilze zuverlässig abzutöten.
- Gut trocknen lassen: Hänge die Tücher so auf, dass sie nach der Benutzung schnell und vollständig trocknen können (nicht zusammengeknüllt liegen lassen).
- Alternative: In sensiblen Phasen (wenn jemand im Haus krank ist) sind Einweg-Papiertücher die hygienischste Wahl.