Warum zeigt das Blutzuckermessgerät bei zu geringer Blutmenge kein Ergebnis an?
Dass ein Blutzuckermessgerät bei zu wenig Blut kein Ergebnis anzeigt, ist eine wichtige Sicherheitsfunktion. Hier sind die technischen und medizinischen Gründe dafür:
1. Unvollständige chemische Reaktion
Moderne Teststreifen arbeiten elektrochemisch. Auf dem Teststreifen befinden sich Enzyme (wie Glucose-Oxidase), die mit dem Zucker im Blut reagieren. Diese Reaktion erzeugt einen winzigen elektrischen Strom. Das Messgerät misst die Stärke dieses Stroms und rechnet sie in einen Blutzuckerwert um.
- Ist zu wenig Blut vorhanden, ist die chemische Reaktion unvollständig oder zu schwach.
- Das Gerät könnte den Stromfluss nicht korrekt interpretieren.
2. Die Messkammer muss gefüllt sein
Der Teststreifen saugt das Blut über Kapillarkräfte in eine winzige Messkammer. In dieser Kammer sitzen Sensoren (Elektroden).
- Damit die Messung präzise ist, muss das Blut die gesamte Fläche der Elektroden bedecken.
- Lücken oder Luftblasen in der Messkammer führen zu falschen Widerständen im Stromkreis.
3. Vermeidung von Fehlbehandlungen (Sicherheit)
Würde das Gerät trotz zu geringer Blutmenge einen Wert anzeigen, wäre dieser in den meisten Fällen falsch niedrig.
- Ein fälschlicherweise zu niedriger Wert könnte dazu führen, dass ein Patient Kohlenhydrate zu sich nimmt, obwohl sein Zucker eigentlich im Normbereich ist.
- Noch gefährlicher: Ein eigentlich zu hoher Wert wird als "normal" angezeigt, und der Patient spritzt kein notwendiges Insulin.
Um solche lebensgefährlichen Fehlentscheidungen zu verhindern, sind die Geräte so programmiert, dass sie lieber eine Fehlermeldung (oft „Error“ oder ein spezieller Code wie E-4) anzeigen, als eine unzuverlässige Zahl.
4. Integrierte Füllstandssensoren
Die meisten modernen Teststreifen haben einen sogenannten Fill-Detect-Sensor (Füllungserkennung). Dies ist ein zusätzlicher Kontakt am Ende der Messkammer. Erst wenn das Blut diesen hinteren Kontakt erreicht, wird der Messvorgang überhaupt gestartet. Fließt das Blut nicht bis dorthin, erkennt das Gerät, dass die Menge nicht ausreicht.
Tipps, wenn die Blutmenge oft zu gering ist:
- Hände waschen und aufwärmen: Warmes Wasser fördert die Durchblutung der Fingerkuppen.
- Finger massieren: Den Finger vor dem Stechen leicht in Richtung Fingerspitze ausstreichen (aber nicht stark quetschen, da sonst Gewebeflüssigkeit das Blut verdünnt).
- Stechtiefe anpassen: Die Stechhilfe eine Stufe tiefer einstellen.
- Seitlich stechen: An den Seiten der Fingerkuppe ist man meist besser durchblutet und es schmerzt weniger als direkt in der Mitte.
- Hände hängen lassen: Die Hand vor dem Piks kurz nach unten hängen lassen, damit das Blut in die Spitzen fließt.
Wichtig: Wenn eine Fehlermeldung wegen zu wenig Blut erscheint, sollte man nicht versuchen, noch mehr Blut auf denselben Teststreifen zu geben (es sei denn, das Gerät hat eine spezielle „Second-Chance“-Funktion). In der Regel ist die Chemie auf dem Streifen nach dem ersten Kontakt bereits aktiviert und liefert bei "Nachfüttern" ungenaue Ergebnisse. Am besten einen neuen Streifen verwenden.