Wie beeinflussen Zuckerreste an den Fingern das Ergebnis der Teststreifen-Messung?
Zuckerreste an den Fingern haben einen massiven Einfluss auf das Ergebnis einer Blutzuckermessung. Sie führen fast immer zu falsch hohen Werten, die oft weit über dem tatsächlichen Blutzuckerspiegel liegen.
Hier ist im Detail erklärt, warum das passiert und wie man es vermeidet:
1. Warum wird das Ergebnis verfälscht?
Ein Blutzuckermessgerät misst die Konzentration von Glukose in einer sehr kleinen Menge Blut (oft nur ein Mikroliter). Wenn sich an der Einstichstelle an der Hautoberfläche noch mikroskopisch kleine Zuckerreste befinden (z. B. vom Schälen eines Apfels, vom Halten eines Kekses oder von Saftresten), lösen sich diese im austretenden Blutstropfen auf.
Das Messgerät "denkt" nun, dass dieser gesamte Zucker aus dem Körper stammt, obwohl ein Großteil davon nur von außen in den Tropfen gelangt ist.
2. Wie stark ist die Abweichung?
Die Abweichungen können extrem sein. Studien haben gezeigt, dass allein das Anfassen einer Orange den gemessenen Wert von z. B. 100 mg/dl auf über 400 mg/dl ansteigen lassen kann, selbst wenn man die Hände danach kurz an der Hose abwischt.
3. Häufige Fehlerquellen im Alltag
- Obst: Rückstände von Fruchtzucker (Fruktose wird bei vielen Teststreifen ebenfalls teilweise erfasst oder ist mit Glukose vermischt).
- Süßigkeiten/Gebäck: Unsichtbare Zuckerpartikel.
- Handcremes: Einige Cremes enthalten Substanzen (wie Glycerin oder Sorbit), die die chemische Reaktion auf dem Teststreifen beeinflussen können.
- Säfte/Limonaden: Klebrige Rückstände sind besonders problematisch.
4. Die Lösung: So messen Sie richtig
Um Fehlmessungen zu vermeiden, sollten Sie folgende Regeln beachten:
- Händewaschen mit Seife: Das gründliche Waschen mit warmem Wasser und Seife ist die beste Methode, um Zuckerreste zu entfernen.
- Gut abtrocknen: Wasserreste am Finger verdünnen den Blutstropfen und führen zu falsch niedrigen Werten.
- Kein Alkohol-Pad (außer im Notfall): Alkohol reinigt zwar, kann aber die Haut austrocknen und bei häufiger Anwendung rissig machen. Zudem muss er komplett verflogen sein, bevor man sticht.
- Der "zweite Tropfen"-Trick: Wenn Sie unterwegs sind und keine Möglichkeit zum Händewaschen haben, gehen Sie so vor:
- Stechen Sie in die Fingerbeere.
- Wischen Sie den ersten Blutstropfen mit einem sauberen Taschentuch gründlich ab.
- Verwenden Sie erst den zweiten Blutstropfen für die Messung.
- Hinweis: Studien zeigen, dass der zweite Tropfen bei ungewaschenen Händen deutlich genauer ist als der erste, aber immer noch leicht ungenauer als nach dem Händewaschen.
Fazit
Zuckerreste an den Fingern sind eine der häufigsten Ursachen für unerklärlich hohe Blutzuckerwerte ("Pseudo-Hyperglykämie"). Wenn Sie einen Wert messen, der nicht zu Ihrem Befinden oder Ihrer letzten Mahlzeit passt: Hände waschen, abtrocknen und noch einmal nachmessen!