Warum verursacht Augencreme bei manchen Anwendern Schwellungen am Morgen?
Dass Augencreme am Morgen zu geschwollenen Augen („Puffy Eyes“) führt, ist ein paradoxes, aber recht häufiges Phänomen. Es gibt dafür verschiedene anatomische und produktbezogene Gründe.
Hier sind die Hauptursachen:
1. Zu nahes Auftragen am Lidrand
Dies ist der häufigste Fehler. Die Haut rund um die Augen ist sehr dünn und besitzt eine Kapillarwirkung.
- Der Effekt: Wenn man die Creme zu nah an den Wimpernkranz oder direkt auf das bewegliche Lid aufträgt, „wandert“ das Produkt durch die Körperwärme und die Mimik ins Auge oder direkt an die Lidkante.
- Die Folge: Die Inhaltsstoffe reizen die Bindehaut oder die feinen Drüsen am Lidrand, was zu nächtlichen Reizungen und Wassereinlagerungen (Ödemen) führt.
2. Zu reichhaltige Texturen (Okklusion)
Viele Augencremes sind sehr fetthaltig (W/O-Emulsionen), um Trockenheitsfältchen zu mindern.
- Der Effekt: Schwere Öle und Wachse bilden einen Film auf der Haut (Okklusion). Da die Haut unter den Augen kaum Unterhautfettgewebe und wenig Lymphgefäße besitzt, kann ein zu starker Film den natürlichen Flüssigkeitsaustausch behindern.
- Die Folge: Es entsteht ein „Hitzestau“ oder ein Feuchtigkeitsstau im Gewebe, der morgens als Schwellung sichtbar wird.
3. "Kriechöle" in der Formulierung
Minderwertige oder ungeeignete Öle in Kosmetika haben eine niedrige Oberflächenspannung. Man nennt sie Kriechöle.
- Der Effekt: Sie breiten sich unkontrolliert auf der Haut aus und gelangen so in die Augen, selbst wenn man die Creme mit Abstand aufgetragen hat.
- Die Folge: Reizungen der Schleimhäute führen dazu, dass der Körper verstärkt Gewebeflüssigkeit produziert, um den „Fremdkörper“ auszuspülen.
4. Hyaluronsäure und Feuchtigkeitsbinder
Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure oder Glycerin binden Wasser.
- Der Effekt: Wenn man sehr viel davon direkt vor dem Schlafengehen aufträgt, ziehen diese Stoffe Wasser in die obersten Hautschichten. Da wir uns im Schlaf flach hinlegen und die Augenmuskulatur nicht bewegen (die normalerweise den Lymphfluss unterstützt), sackt die Flüssigkeit ins Gewebe ab.
- Die Folge: Das Gewebe wirkt am Morgen „aufgepolstert“, was bei dünner Haut schnell wie eine Schwellung aussieht.
5. Kontaktallergien oder Unverträglichkeiten
Die Augenpartie ist die empfindlichste Stelle des Gesichts.
- Der Effekt: Konservierungsstoffe, Duftstoffe oder sogar natürliche Extrakte können eine leichte Kontaktallergie auslösen.
- Die Folge: Eine Schwellung ist oft die erste Abwehrreaktion des Körpers auf einen Stoff, den er nicht verträgt.
6. Der fehlende Lymphabfluss in der Nacht
Im Stehen hilft die Schwerkraft, Flüssigkeit aus dem Gesicht abzutransportieren. Im Liegen und bei fehlender Mimik (Schlaf) arbeitet das Lymphsystem langsamer. Wenn eine Creme die Haut zusätzlich „beschwert“ oder reizt, verstärkt sich dieser natürliche Effekt der morgendlichen Schwellung.
Tipps, um Schwellungen zu vermeiden:
- Abstand halten: Trage die Creme nur auf den knöchernen Rand der Augenhöhle auf (Orbitalring). Klopfe sie sanft ein; sie verteilt sich von selbst in die richtigen Bereiche.
- Weniger ist mehr: Eine reiskorngroße Menge für beide Augen reicht meist völlig aus.
- Zeitpunkt wählen: Trage die Augenpflege etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen auf, damit sie einziehen kann und nicht direkt im Liegen ins Auge wandert.
- Textur wechseln: Wenn du zu Schwellungen neigst, steige von einer schweren Creme auf ein leichtes Augengel oder ein Serum auf Wasserbasis um.
- Kühl lagern: Bewahre die Augenpflege im Kühlschrank auf. Die Kälte zieht die Gefäße zusammen und wirkt Schwellungen entgegen.