Warum verursacht Schrundensalbe bei manchen Anwendern ein starkes Brennen auf der Haut?
Das Brennen nach dem Auftragen von Schrundensalbe ist ein bekanntes Phänomen. Es gibt dafür mehrere medizinische und chemische Gründe, die meist mit der Zusammensetzung der Salbe und dem Zustand der Haut zusammenhängen.
Hier sind die Hauptgründe für das starke Brennen:
1. Hohe Konzentration an Urea (Harnstoff)
Urea ist der am häufigsten verwendete Wirkstoff in Schrundensalben (oft in Konzentrationen von 15 % bis 25 %). Urea ist stark hygroskopisch, das heißt, es bindet Wasser.
- Der Effekt: Wenn Urea in tiefere Hautschichten oder offene Risse (Schrunden) gelangt, entzieht es den Zellen kurzzeitig Wasser oder reizt die freiliegenden Nervenenden. Dies löst einen stechenden Schmerz oder ein starkes Brennen aus. Man spricht hierbei auch vom sogenannten „Urea-Sting-Effekt“.
2. Defekte Hautbarriere (Offene Wunden)
Schrunden sind per Definition Risse in der Haut, die bis in die Lederhaut (Dermis) reichen können.
- Der Effekt: An diesen Stellen ist die natürliche Schutzbarriere der Haut komplett unterbrochen. Inhaltsstoffe, die normalerweise nur auf der Hornschicht verbleiben sollten, dringen direkt zu den Schmerzrezeptoren vor. Da Schrundensalben darauf ausgelegt sind, dicke Hornhaut aufzuweichen, enthalten sie oft Stoffe, die auf gesundem Gewebe harmlos, auf „rohem“ Gewebe aber extrem reizend wirken.
3. Keratolytische Wirkstoffe (Säuren)
Viele Schrundensalben enthalten neben Urea auch andere hornlösende (keratolytische) Stoffe wie Salizylsäure oder Milchsäure (AHA).
- Der Effekt: Diese Säuren senken den pH-Wert auf der Hautoberfläche. Wenn diese Säuren in einen tiefen Riss gelangen, wirken sie wie „Salz in der Wunde“ und verursachen ein brennendes Gefühl.
4. Alkohol und Konservierungsstoffe
Einige Cremes enthalten Alkohole zur Konservierung oder um das Einziehen zu verbessern.
- Der Effekt: Alkohol desinfiziert zwar, brennt aber auf offenen Stellen massiv. Auch Duft- oder bestimmte Konservierungsstoffe können auf der vorgeschädigten Haut Reizungen auslösen.
5. Entzündungen
Oft sind Schrunden nicht nur trocken, sondern bereits leicht entzündet (erkennbar an Rötungen).
- Der Effekt: Entzündete Haut ist deutlich sensibler für jegliche chemische Reize. Die Durchblutung ist an diesen Stellen gesteigert, was die Schmerzreaktion intensiviert.
Was kann man dagegen tun?
- Nicht auf offene Wunden: Wenn die Schrunden blutig oder tiefrot sind, sollte man zuerst eine Wund- und Heilsalbe (z. B. mit Panthenol oder Zink) verwenden, bis der Riss geschlossen ist.
- Konzentration langsam steigern: Wenn 25 % Urea zu stark brennen, versuchen Sie es zunächst mit einer 10%igen Lotion, um die Haut schrittweise zu hydratisieren.
- Fettreiche Salben bevorzugen: Rein fettbasierte Salben (ohne viel Urea oder Säuren) brennen weniger, da sie einen Schutzfilm bilden.
- Punktuelle Anwendung: Die starke Schrundensalbe nur auf die verhornten Stellen auftragen, nicht auf die weiche, empfindliche Haut drumherum.
Wichtig: Ein leichtes Kribbeln für 1–2 Minuten ist bei hochkonzentrierten Urea-Produkten oft normal. Wenn das Brennen jedoch länger anhält, die Haut stark rötet oder anschwillt, könnte eine Kontaktallergie vorliegen – in diesem Fall sollte das Produkt abgesetzt werden.