Warum verklebt Verbandwatte häufig mit der Wundoberfläche?

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Das Verkleben von herkömmlicher Verbandwatte mit einer Wunde liegt hauptsächlich an der physikalischen Beschaffenheit der Watte und den biologischen Prozessen der Wundheilung.

Hier sind die Hauptgründe im Detail:

1. Die Faserstruktur

Verbandwatte besteht aus Millionen feiner, loser Fasern. Wenn eine Wunde nässt (Wundexsudat abgibt), saugt die Watte diese Flüssigkeit auf. Die Fasern tauchen dabei direkt in die Flüssigkeit ein und umschließen die Wundoberfläche.

2. Das "Kleber-Prinzip" (Fibrin)

Wundsekret enthält unter anderem Fibrin, einen körpereigenen „Klebstoff“, der für die Blutgerinnung und den Wundverschluss zuständig ist. Wenn dieses Sekret trocknet, härtet das Fibrin aus. Da die feinen Wattefasern mitten in dieser Flüssigkeit liegen, werden sie beim Trocknen fest in den entstehenden Wundschorf eingeschlossen.

3. Einwachsen von neuem Gewebe

Bei der Heilung bildet der Körper neues Gewebe (Granulationsgewebe). Die feinen Fasern der Watte dienen diesem neuen Gewebe quasi als Gerüst. Die Zellen wachsen um die Fasern herum oder sogar in sie hinein.

Warum ist das ein Problem?

Wenn der Verband gewechselt wird und die Watte fest mit der Wunde verklebt ist, passiert Folgendes:

  • Re-Traumatisierung: Beim Abziehen wird die gerade neu gebildete Hautschicht (Epithelschicht) wieder mit abgerissen. Die Wunde reißt auf, blutet erneut und die Heilung verzögert sich.
  • Faserrückstände: Oft bleiben kleine Wattefasern in der Wunde zurück. Diese werden vom Körper als Fremdkörper angesehen und können Entzündungen oder Infektionen auslösen.
  • Schmerzen: Das Lösen von verklebter Watte ist für den Patienten sehr schmerzhaft.

Was sollte man stattdessen tun?

In der modernen Wundversorgung gilt Verbandwatte direkt auf der offenen Wunde als veraltet. Stattdessen nutzt man:

  1. Nicht verklebende Wundauflagen: Diese haben eine spezielle Beschichtung (z. B. aus Silikon oder einem feinen Gitternetz), die zwar Flüssigkeit durchlässt, aber nicht mit dem Gewebe verwächst.
  2. Fettgaze: Eine mit Salbe imprägnierte Gaze, die als Trennschicht dient.
  3. Watte nur als Polster: Watte sollte heute primär zur Polsterung über der eigentlichen Wundauflage verwendet werden, um Druckstellen zu vermeiden, aber niemals in direktem Kontakt mit einer offenen Wunde stehen.

Tipp für den Notfall: Wenn Watte bereits mit einer Wunde verklebt ist, sollte man sie niemals trocken abreißen. Man sollte sie stattdessen vorsichtig mit steriler Kochsalzlösung oder lauwarmem Leitungswasser einweichen, bis sie sich von selbst löst.

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