Erschwert das lange Kompositum „Sammelkartenedition“ die Barrierefreiheit für Menschen mit Leseschwäche?
Ja, das Wort „Sammelkartenedition“ erschwert die Barrierefreiheit für Menschen mit Leseschwäche (z. B. Legasthenie, kognitive Beeinträchtigungen oder Deutsch als Zweitsprache) erheblich.
Hier sind die Gründe, warum dieses spezifische Kompositum (zusammengesetztes Wort) problematisch ist und wie man es besser machen kann:
1. Warum das Wort eine Barriere darstellt
- Wortlänge und optische Komplexität: Mit 19 Buchstaben ist das Wort sehr lang. Menschen mit Leseschwäche haben oft Schwierigkeiten, lange Zeichenfolgen auf einen Blick zu erfassen. Das Auge „verlerrt“ sich in der Mitte des Wortes.
- Fehlende Strukturierung: Im Deutschen werden Komposita meist zusammengeschrieben. Ohne optische Trennung müssen Lesende das Wort mühsam selbst in seine Bestandteile (Sammeln, Karten, Edition) zerlegen. Dieser Dekodierungsprozess verbraucht viel kognitive Energie, die dann für das Verständnis des Satzinhaltes fehlt.
- Abstrakter Begriff „Edition“: Das Wort endet auf ein Fremdwort lateinischen Ursprungs („Edition“). Fremdwörter sind für Menschen mit geringerem Wortschatz oder kognitiven Einschränkungen eine zusätzliche Hürde.
- Das „Fugen-n“: Das Wort enthält ein Fugen-n (Sammelkarten-n-edition). Solche grammatikalischen Verbindungselemente können das Erkennen der Grundwörter erschweren.
2. Lösungen für bessere Barrierefreiheit
Um die Barrierefreiheit zu erhöhen, gibt es im Bereich der Einfachen Sprache und der Leichten Sprache bewährte Strategien:
A. Nutzung von Bindestrichen (Koppelung)
Der Bindestrich hilft dem Auge, die Sinneinheiten sofort zu erkennen.
- Besser: Sammelkarten-Edition
- Noch klarer: Sammel-Karten-Edition (hier werden alle drei Teile getrennt)
B. Umformulierung (Genitiv oder Präposition)
Oft ist es leichter, das lange Wort ganz aufzulösen.
- Besser: Edition der Sammelkarten
- Einfacher: Ausgabe der Sammelkarten
C. Mediopunkt (Leichte Sprache)
In Texten der „Leichten Sprache“ wird oft der Mediopunkt (Trenn方punkt) verwendet, um die Wortteile optisch zu trennen, ohne die Rechtschreibung durch Bindestriche zu verändern.
- Leichte Sprache: Sammel·karten·edition
3. Einordnung nach Zielgruppe
- Einfache Sprache (Journalismus, Behörden): Hier empfiehlt sich die Schreibweise mit Bindestrich (Sammelkarten-Edition). Das ist orthografisch korrekt und deutlich lesbarer.
- Leichte Sprache (Menschen mit geistiger Behinderung): Hier sollte man das Wort komplett vermeiden oder erklären. Zum Beispiel: „Das sind neue Karten zum Sammeln. Man nennt das: Sammel·karten·edition.“
Fazit
Ja, „Sammelkartenedition“ ist eine Barriere. In der barrierefreien Kommunikation gilt die Faustregel: Vermeide „Bandwurmwörter“. Wenn sie nötig sind, gliedere sie durch Bindestriche.