Warum klebt Roggenteig bei der manuellen Verarbeitung stärker als Weizenteig?

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Dass Roggenteig bei der Verarbeitung deutlich stärker klebt als Weizenteig, liegt an der grundlegend unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung der beiden Getreidearten.

Hier sind die Hauptgründe für das klebrige Verhalten von Roggen:

1. Pentosane (Schleimstoffe) statt Klebergerüst

Der wichtigste Unterschied ist die Art und Weise, wie der Teig zusammengehalten wird:

  • Weizen: Besitzt die Proteine Gliadin und Glutenin, die beim Kneten das Gluten (Klebergerüst) bilden. Dieses elastische Netzwerk umschließt das Wasser und die Stärke. Ein gut ausgekneteter Weizenteig ist daher elastisch, stabil und außen relativ trocken.
  • Roggen: Roggen enthält zwar auch Proteine, diese können aber kein stabiles Klebergerüst aufbauen. Stattdessen enthält Roggen sehr viele Pentosane (auch Schleimstoffe genannt). Diese Kohlenhydrate wirken wie ein Schwamm: Sie können das Vielfache ihres Eigengewichts an Wasser binden. Da sie aber kein festes elastisches Netz bilden, sondern eine viskose, gelartige Substanz, fühlt sich der Teig eher wie „Mörtel“ oder feuchter Lehm an und klebt an allem fest, was er berührt.

2. Die Wasserbindung

Pentosane binden das Wasser zwar stark, aber sie halten es nicht „im Inneren“ einer Struktur fest, wie es das Gluten beim Weizen tut. Die Oberfläche eines Roggenteigs bleibt dadurch feucht und klebrig. Da Roggen für eine gute Backfähigkeit viel Wasser benötigt (um die Stärke zu verkleistern), ist der Teig von Natur aus sehr hydriert und somit adhäsiv.

3. Enzymaktivität (Amylasen)

Roggen ist enzymreicher als Weizen. Besonders die Alpha-Amylasen sind sehr aktiv und beginnen sofort damit, Stärke in Zucker abzubauen. Dieser Prozess macht den Teig weicher und klebriger. Um dies zu kontrollieren, muss Roggenteig fast immer mit Sauerteig (Säure) geführt werden. Die Säure hemmt die Enzyme und stabilisiert das Teiggerüst, aber die klebrige Grundkonsistenz bleibt dennoch erhalten.

4. Fehlende Elastizität

Während man Weizenteig dehnen und falten kann (wodurch er an Spannung gewinnt und weniger klebt), ist Roggenteig plastisch. Er lässt sich verformen, kehrt aber nicht in seine Ursprungsform zurück. Jede Berührung führt dazu, dass der Teig die Oberfläche der Hand benetzt, ohne dass eine innere Spannung ihn wieder „zurückzieht“.


Tipps für die Verarbeitung von Roggenteig:

Da man Roggenteig nicht wie Weizenteig „auskneten“ kann, helfen folgende Tricks gegen das Kleben:

  • Wasser statt Mehl: Bei Weizen mehlt man die Hände ein. Bei Roggen (besonders bei hohen Roggenanteilen) ist es oft besser, mit nassen Händen und einer nassen Arbeitsfläche zu arbeiten. Das Wasser bildet einen Gleitfilm zwischen Haut und Pentosanen.
  • Kurz und kräftig: Roggenteig muss nicht lange geknetet, sondern nur intensiv vermischt werden. Zu langes Kneten kann die Pentosane sogar wieder zerstören und den Teig noch klebriger machen.
  • Teigkarte benutzen: Da Roggenteig so stark haftet, ist eine Teigkarte aus Metall oder Kunststoff beim Portionieren und Wirken unverzichtbar.
  • Roggenmehl zum Bestäuben: Wenn man bemehlt, dann großzügig mit Roggenmehl oder Schrot, da dieses das Wasser an der Oberfläche schnell aufsaugt.
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