Können die im Rapsöl enthaltenen Transfettsäuren bei zu starker industrieller Verarbeitung die Herzgesundheit gefährden?

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Ja, die im Rapsöl (oder anderen Pflanzenölen) enthaltenen Transfettsäuren können die Herzgesundheit gefährden, wenn sie durch bestimmte industrielle Verarbeitungsprozesse in größeren Mengen entstehen.

Hier ist die detaillierte Analyse, wie es dazu kommt, welche Risiken bestehen und wie die aktuelle Situation (insbesondere in der EU) aussieht:

1. Wie entstehen Transfettsäuren bei der Verarbeitung?

Es gibt zwei Hauptwege, wie Transfettsäuren (TFS) bei der industriellen Verarbeitung von Rapsöl entstehen können:

  • Teilhärtung (Hydrierung): Dies ist der kritischste Prozess. Um flüssiges Öl streichfähig oder haltbarer zu machen (z. B. für Margarine, Backfette oder Glasuren), wird es chemisch gehärtet. Wenn dieser Prozess nicht vollständig abgeschlossen ist (Teilhärtung), entstehen große Mengen an künstlichen Transfettsäuren.
  • Raffination (Desodorierung): Bei der Herstellung von herkömmlichem (raffiniertem) Rapsöl wird das Öl stark erhitzt (über 200 °C), um unerwünschte Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen. Dabei können geringe Mengen an Transfettsäuren entstehen (meist unter 1 % bis 2 %).

2. Warum sind sie gefährlich für das Herz?

Transfettsäuren gelten als die gesundheitsschädlichsten Fette überhaupt. Ihre Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ist gut belegt:

  • Verschlechterung der Cholesterinwerte: Sie erhöhen das „schlechte“ LDL-Cholesterin und senken gleichzeitig das „gute“ HDL-Cholesterin. Dies ist eine doppelt negative Wirkung, die das Risiko für Arterienverkalkung (Arteriosklerose) stark erhöht.
  • Entzündungen: Sie fördern Entzündungsprozesse in den Gefäßwänden.
  • Erhöhtes Infarktrisiko: Ein hoher Konsum ist direkt mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheiten, Herzinfarkte und Schlaganfälle verbunden.

3. Die aktuelle Situation und gesetzliche Grenzwerte

Die gute Nachricht ist, dass das Risiko heute deutlich geringer ist als noch vor 20 Jahren:

  • EU-Grenzwert (seit April 2021): In der EU gilt ein gesetzlicher Grenzwert für industriell hergestellte Transfettsäuren. Lebensmittel dürfen maximal 2 Gramm Transfette pro 100 Gramm Fett enthalten. Dies hat dazu geführt, dass die Industrie ihre Herstellungsverfahren (besonders bei Margarine und Frittierfetten) massiv umgestellt hat.
  • Vollhärtung statt Teilhärtung: Heutzutage wird oft die „Vollhärtung“ angewandt, bei der fast keine Transfette entstehen, oder es werden Öle physikalisch gemischt, um die gewünschte Konsistenz zu erreichen.

4. Raffiniertes Rapsöl im Alltag

Das normale, klare Rapsöl aus dem Supermarkt (raffiniert) ist trotz der Hitzebehandlung bei der Herstellung in der Regel unbedenklich. Der Anteil an Transfettsäuren ist dort so gering, dass die positiven Aspekte des Rapsöls (hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren und einfach ungesättigten Fettsäuren) bei weitem überwiegen.

5. Worauf sollten Sie achten?

Obwohl die Grenzwerte streng sind, gibt es Tipps, um das Risiko zu minimieren:

  1. Zutatenliste prüfen: Meiden Sie Produkte, auf denen „Fett, teilweise gehärtet“ oder „pflanzliches Fett, partiell hydriert“ steht. (In der EU ist das aufgrund des Grenzwerts kaum noch zu finden, aber bei Importware oder im Ausland relevant).
  2. Kaltgepresstes Rapsöl: Für Salate und die kalte Küche ist kaltgepresstes (natives) Rapsöl ideal, da es nicht industriell erhitzt wurde und somit gar keine Transfette aus der Verarbeitung enthält.
  3. Richtiges Erhitzen zu Hause: Auch in der eigenen Küche können Transfette entstehen, wenn man Öl über den Rauchpunkt erhitzt. Verwenden Sie zum scharfen Anbraten daher nur raffiniertes Rapsöl (hoher Rauchpunkt) und kein kaltgepresstes Öl.
  4. Verarbeitete Lebensmittel einschränken: Die meisten Transfette verstecken sich in billigen Backwaren, Blätterteig, Fertiggerichten und frittierten Produkten.

Fazit

Theoretisch können Transfette in industriell verarbeitetem Rapsöl das Herz gefährden. Durch die strenge EU-Regulierung (2%-Grenze) ist die Belastung in modernen Lebensmitteln jedoch so stark gesunken, dass Rapsöl heute im Allgemeinen als sehr herzgesund gilt – vor allem wegen seines hervorragenden Fettsäuremusters. Die Gefahr droht eher von stark verarbeiteten Billigprodukten als vom Öl selbst.

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