Wie wirkt sich die industrielle thermische Verarbeitung auf den Vitamingehalt der Früchte im Joghurt aus?

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Die industrielle thermische Verarbeitung von Früchten für Joghurt (die sogenannte Herstellung der Fruchtzubereitung) hat einen signifikanten Einfluss auf den Vitamingehalt. Da Vitamine unterschiedlich empfindlich auf Hitze, Sauerstoff und Licht reagieren, ist der Verlust je nach Vitaminart verschieden stark ausgeprägt.

Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung der Auswirkungen:

1. Warum werden die Früchte überhaupt erhitzt?

Früchte werden in der Industrie nicht roh in den Joghurt gegeben. Sie werden zu einer "Fruchtzubereitung" verarbeitet. Das Erhitzen (Pasteurisieren oder Sterilisieren) dient:

  • Der Haltbarkeit: Abtötung von Hefen, Schimmelpilzen und Bakterien.
  • Der Inaktivierung von Enzymen: Enzyme könnten sonst die Farbe verändern (Braunfärbung) oder die Textur des Joghurts (durch Pektinabbau) zerstören.

2. Differenzierung nach Vitamingruppen

Man unterscheidet zwischen thermolabilen (hitzeempfindlichen) und thermostabilen (hitzestabilen) Vitaminen:

  • Sehr empfindlich (Hohe Verluste):

    • Vitamin C (Ascorbinsäure): Es ist am stärksten betroffen. Es reagiert nicht nur auf Hitze, sondern auch extrem empfindlich auf Sauerstoff (Oxidation). Bei der industriellen Verarbeitung können 30 % bis zu 80 % des Vitamin C verloren gehen.
    • Vitamin B1 (Thiamin) und Folsäure: Diese B-Vitamine sind ebenfalls sehr hitzeanfällig. Verluste von 20–50 % sind üblich.
  • Mäßig empfindlich:

    • Vitamin B6 und Pantothensäure: Hier kommt es zu moderaten Verlusten.
  • Relativ stabil (Geringe Verluste):

    • Vitamin A (Retinol) und Carotinoide (Provitamin A): Diese sind fettlöslich und halten Hitze vergleichsweise gut stand, solange kein Sauerstoff im Spiel ist.
    • Vitamin E: Ebenfalls recht stabil gegenüber Hitze.
    • Vitamin B2 (Riboflavin) und Niacin: Diese Vitamine sind sehr robust gegenüber thermischer Belastung.

3. Einflussfaktoren der Verarbeitung

Die Höhe des Vitaminverlusts hängt stark vom gewählten Verfahren ab:

  • HTST-Verfahren (High Temperature Short Time): Moderne Anlagen erhitzen die Fruchtmasse sehr kurz auf hohe Temperaturen. Dies schont die Vitamine besser als langes Köcheln bei niedrigeren Temperaturen.
  • Sauerstoffausschluss: Wenn die Verarbeitung unter Vakuum oder Schutzgas erfolgt, wird die Oxidation (besonders von Vitamin C) minimiert.
  • Zerkleinerungsgrad: Je kleiner die Fruchtstücke (Püree vs. ganze Stücke), desto größer ist die Angriffsfläche für Licht und Sauerstoff, was den Vitaminabbau beschleunigt.

4. Weitere Faktoren im fertigen Joghurt

Auch nach der thermischen Verarbeitung geht der Vitaminabbau weiter:

  • Lagerzeit und Temperatur: Auch im Kühlregal bauen sich Vitamine mit der Zeit langsam ab.
  • Lichteinstrahlung: Vitamine wie B2 sind extrem lichtempfindlich. Deshalb schützen blickdichte Becher die Inhaltsstoffe besser als transparente.
  • pH-Wert: Der saure pH-Wert des Joghurts (ca. 4,0–4,5) wirkt für einige Vitamine (wie Vitamin C) sogar stabilisierend, während andere darunter leiden.

5. Die Realität: "Fruchtjoghurt" vs. "Joghurt mit Fruchtzubereitung"

In vielen industriellen Fruchtjoghurts ist der tatsächliche Fruchtanteil gering (oft nur 6–10 %). Selbst wenn die Vitamine die Erhitzung perfekt überstehen würden, wäre die Menge im Vergleich zu einer frischen Frucht, die man selbst in Naturjoghurt schneidet, sehr klein.

Fazit: Die industrielle thermische Verarbeitung führt bei wasserlöslichen Vitaminen (insbesondere Vitamin C und Folsäure) zu erheblichen Verlusten. Wer maximalen Vitamingehalt möchte, sollte Naturjoghurt kaufen und frisches, unebhandeltes Obst hinzufügen. Der industrielle Fruchtjoghurt dient eher dem Genuss und der Kalorienzufuhr als der Vitaminversorgung.

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