Warum ist die Beifangquote beim Wildfang von Riesengarnelen ökologisch so problematisch?
Die Beifangquote beim Wildfang von Riesengarnelen (oft als Prawns oder Shrimps vermarktet) gilt als eine der höchsten und ökologisch verheerendsten in der gesamten Fischereiindustrie.
Hier sind die Hauptgründe, warum dies ein massives ökologisches Problem darstellt:
1. Das extrem schlechte Verhältnis von Fang zu Beifang
In der Garnelenfischerei ist das Verhältnis zwischen dem Zielobjekt (Garnele) und dem ungewollten Beifang extrem disproportional. Während in anderen Fischereien versucht wird, Beifang zu minimieren, entfallen bei der Garnelenfischerei in tropischen Gewässern oft auf 1 Kilogramm Garnelen etwa 5 bis 10 Kilogramm (manchmal sogar bis zu 20 kg) Beifang. Das bedeutet, dass über 80 bis 90 % des Netzinhalts aus Tieren bestehen, die gar nicht gefangen werden sollten.
2. Die Methode: Grundschleppnetze
Riesengarnelen leben am Meeresboden. Um sie zu fangen, werden engmaschige Grundschleppnetze eingesetzt, die wie schwere Pflüge über den Meeresgrund gezogen werden.
- Mangelnde Selektivität: Die Netze sind sehr feinmaschig, da Garnelen klein sind. Dadurch bleibt alles im Netz hängen, was größer als eine Garnele ist – von kleinsten Jungfischen bis hin zu großen Meerestieren.
- Zerstörung des Habitats: Die schweren Gewichte der Netze zerstören Korallenriffe, Seegraswiesen und Schwämme. Diese Lebensräume sind jedoch die „Kinderstuben“ vieler Meeresbewohner. Ein zerstörter Meeresboden kann sich oft über Jahrzehnte nicht erholen.
3. Bedrohung geschützter Arten
In den Netzen landen regelmäßig Tiere, die streng geschützt oder vom Aussterben bedroht sind:
- Meeresschildkröten: Da sie zum Atmen an die Oberfläche müssen, ertrinken sie in den Netzen.
- Haie und Rochen: Viele Arten, die am Boden leben, verfangen sich und sterben.
- Seepferdchen und seltene Fischarten: Diese haben in den riesigen Netzen keine Chance.
4. Vernichtung von Jungfischen (Ökonomischer & Ökologischer Schaden)
Ein großer Teil des Beifangs besteht aus juvenilen (jugendlichen) Fischen kommerziell genutzter Arten (z. B. Schnapper oder Umberfische). Da diese gefangen werden, bevor sie sich fortpflanzen können, kollabieren die Fischbestände in diesen Regionen. Das entzieht nicht nur dem Ökosystem die Balance, sondern raubt auch den lokalen Kleinfischern in Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlage.
5. „Discards“ – Der Tod im Abfall
Der Beifang wird meist nicht verwertet. Da der Platz auf den Schiffen begrenzt ist und für die teuren Garnelen reserviert wird, wird der Beifang als „Abfall“ zurück über Bord geworfen.
- Hohe Sterblichkeit: Die meisten Tiere sind zu diesem Zeitpunkt bereits tot, zerquetscht durch das Gewicht im Netz oder erstickt an Deck.
- Überdüngung: Das massenhafte Zurückwerfen toter Biomasse kann lokale Ökosysteme belasten, da die Verwesungsprozesse dem Wasser Sauerstoff entziehen.
6. Verlust der Artenvielfalt (Biodiversität)
Durch die systematische „Abgrasung“ des Meeresbodens wird die biologische Vielfalt massiv reduziert. Komplexe Ökosysteme verwandeln sich in monotone Unterwasser-Wüsten, in denen nur noch wenige, opportunistische Arten überleben können.
Fazit
Der Wildfang von Riesengarnelen mittels Grundschleppnetzen ist ökologisch deshalb so problematisch, weil er maximale Zerstörung für ein vergleichsweise kleines Erzeugnis in Kauf nimmt. Wer ökologisch bewusster konsumieren möchte, sollte auf entsprechende Siegel achten (z. B. MSC für Wildfang, wobei auch dieses Label bei Garnelen umstritten ist) oder auf Garnelen aus Bio-Aquakulturen (z. B. Naturland) ausweichen, wobei auch die Zucht wiederum eigene ökologische Probleme (wie die Zerstörung von Mangrovenwäldern) mit sich bringen kann.