Warum haftet Raufasertapete auf stark saugenden Untergründen oft nur mangelhaft?

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Das mangelhafte Haften von Raufasertapete auf stark saugenden Untergründen (wie frischem Putz, Gipskarton oder ungrundiertem Beton) liegt primär an der physikalischen Eigenschaft der Kapillarität.

Hier sind die genauen Gründe im Detail:

1. Entzug des Anmachwassers („Aufbrennen“)

Tapetenkleister besteht zu einem Großteil aus Wasser. Damit der Kleister seine Klebekraft entfalten und eine stabile Verbindung zwischen Wand und Tapete herstellen kann, muss er langsam und gleichmäßig trocknen. Ein stark saugender Untergrund entzieht dem Kleister das Wasser jedoch schockartig, sobald dieser aufgetragen wird. In Fachkreisen nennt man das „Aufbrennen“: Der Kleister trocknet aus, bevor er chemisch und mechanisch abbinden konnte. Zurück bleibt oft nur ein trockenes Pulver ohne Klebkraft.

2. Fehlende Verankerung im Untergrund

Damit die Tapete hält, muss ein Teil des Kleisters leicht in die Poren der Wandoberfläche eindringen und dort festkrallen (mechanische Verankerung). Wenn die Wand das Wasser zu schnell wegsaugt, bleiben die Feststoffe des Kleisters (Zellulose und Stärke) lediglich als dünner, spröder Film auf der Oberfläche liegen, anstatt in die Poren einzudringen. Die Verbindung bleibt oberflächlich und instabil.

3. Verkürzte Offenzeit

Die „Offenzeit“ ist die Zeitspanne, in der der Kleister feucht genug ist, um die Tapete noch zu verschieben und zu korrigieren. Bei stark saugenden Wänden sinkt die Offenzeit gegen Null. Die Tapete haftet sofort fest (oder fällt direkt wieder ab), was das blasenfreie Ausrichten fast unmöglich macht.

4. Spannungen in der Tapete

Raufasertapete besteht aus Papierfasern, die sich ausdehnen, wenn sie feucht werden, und beim Trocknen wieder zusammenziehen. Wenn der Untergrund das Wasser zu schnell aus dem Kleister zieht, trocknet der Kleister ungleichmäßig. Es entstehen Spannungen: Die Tapete möchte sich beim Trocknen zusammenziehen, aber der bereits „verbrannte“ (trockene) Kleister kann diese Kraft nicht halten. Die Folge sind offene Nähte oder Blasenbildung.


Die Lösung: Den Untergrund vorbereiten

Um dieses Problem zu verhindern, muss die Saugfähigkeit des Untergrunds reguliert werden:

  1. Grundierung (Tiefgrund): Ein lösungsmittelfreier oder lösungsmittelhaltiger Tiefgrund verschließt die Poren des Untergrunds und sorgt für eine gleichmäßige, reduzierte Saugfähigkeit. Zudem verfestigt er sandende Oberflächen.
  2. Vorkleistern: Bei mäßig saugenden Untergründen kann man die Wand mit stark verdünntem Kleister vorstreichen. Das sättigt die Poren vorab, ist aber bei extrem saugenden Untergründen oft weniger effektiv als Tiefgrund.
  3. Der Benetzungstest: Man kann die Saugfähigkeit prüfen, indem man Wasser an die Wand spritzt. Zieht das Wasser sofort ein und der Fleck wird dunkel, ist die Wand zu stark saugend und muss grundiert werden. Perlt das Wasser ab, ist die Wand zu schwach saugend (auch ein Problem). Idealerweise zieht das Wasser langsam ein.