Was genau versteht man unter einer Raufasertapete?
Die Raufasertapete (oft auch „Rauhfasertapete“ geschrieben) ist der Klassiker an deutschen Wänden. Sie ist eine Wandbekleidung, die aus mehreren Schichten Papier besteht, in die strukturbildende Holzfasern eingearbeitet sind.
Hier sind die wichtigsten Details, um zu verstehen, was sie so besonders macht:
1. Aufbau und Material
Eine Raufasertapete besteht im Wesentlichen aus drei Papierschichten. Zwischen diese Schichten werden kleine Holzstückchen (meist aus Nadelholz wie Fichte) eingearbeitet.
- Struktur: Je nach Größe und Menge der Holzfasern unterscheidet man verschiedene Strukturen – von fein über mittel bis grob.
- Material: Sie besteht zum Großteil aus Recyclingpapier und Zellulose, was sie zu einem sehr umweltfreundlichen Produkt macht.
2. Die wichtigsten Eigenschaften
- Überstreichbarkeit: Das markanteste Merkmal ist, dass sie nach dem Ankleben gestrichen werden muss (meist mit Dispersionsfarbe). Sie kann im Laufe der Jahre mehrfach überstrichen werden, ohne dass die Struktur komplett verloren geht.
- Atmungsaktivität (Diffusionsoffenheit): Da sie aus Papier und Holz besteht, kann sie Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben. Das trägt zu einem guten Raumklima bei und beugt Schimmel vor (sofern die Farbe ebenfalls atmungsaktiv ist).
- Kaschierung: Durch die unregelmäßige Struktur der Holzfasern lassen sich kleine Unebenheiten, Risse oder Fehler im Putz der Wand hervorragend verstecken.
- Robustheit: Sie ist relativ widerstandsfähig gegen Stöße und Kratzer.
3. Geschichte: Wer hat’s erfunden?
Die Raufasertapete ist eine deutsche Erfindung. Sie wurde 1864 von Hugo Erfurt (Enkel des Gründers der Papierfabrik Erfurt & Sohn) erfunden. Ursprünglich war sie gar nicht als Tapete gedacht, sondern als Dekorationspapier für Schaufenster und als Basispapier für Leimdrucktapeten. Erst in den 1920er Jahren begann ihr Siegeszug als Wandbelag in Wohnungen.
4. Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile:
- Preiswert: Sie ist eine der günstigsten Möglichkeiten, Wände zu gestalten.
- Einfache Verarbeitung: Auch für Heimwerker leicht anzubringen.
- Nachhaltigkeit: Oft mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet, da sie PVC-frei und aus Recyclingmaterial ist.
- Langlebigkeit: Kann durch einfaches Überstreichen schnell renoviert werden.
Nachteile:
- Optik: Manche empfinden den „Raufaser-Look“ als altmodisch oder zu schlicht (oft mit Mietwohnungen assoziiert).
- Entfernung: Wenn sie über Jahrzehnte hinweg fünf- oder sechsmal überstrichen wurde, lässt sie sich oft nur schwer wieder von der Wand ablösen.
- Saugfähigkeit: Sie benötigt beim ersten Anstrich relativ viel Farbe.
5. Verarbeitungshinweis
Im Gegensatz zu Vliestapeten (bei denen man die Wand einkleistert) muss bei der Raufasertapete die Tapetenbahn eingekleistert werden. Danach benötigt sie eine Weichzeit (ca. 5–10 Minuten), damit das Papier quellen kann, bevor sie an die Wand kommt.
Zusammenfassend: Die Raufasertapete ist ein extrem praktischer, ökologischer und günstiger Allrounder, der in Deutschland fast schon zum Kulturgut gehört.