Auf welchen Untergründen kann Fliesenkleber aufgetragen werden?
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Fliesenkleber kann auf einer Vielzahl von Untergründen aufgetragen werden, sofern diese tragfähig, sauber, eben und trocken sind. Man unterscheidet dabei meist zwischen saugenden und nicht-saugenden sowie kritischen und unkritischen Untergründen.
Hier ist eine Übersicht der gängigsten Untergründe:
1. Mineralische Untergründe (Klassisch)
Dies sind die stabilsten und häufigsten Untergründe im Bauwesen:
- Beton: Vollständig ausgehärtet (meist nach 6 Monaten) und trocken.
- Zementestrich: Der Standard-Bodenuntergrund.
- Anhydritestrich (Calciumsulfatestrich): Muss vorher angeschliffen und zwingend grundiert werden, da er empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert.
- Putz: Kalk-Zement-Putz (ideal für Feuchträume) oder Gipsputz (muss grundiert werden).
- Mauerwerk: Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton (Ytong). Porenbeton saugt sehr stark und benötigt eine gute Grundierung.
2. Trockenbau und Plattenwerkstoffe
Diese Untergründe „arbeiten“ mehr und erfordern meist Flexkleber:
- Gipskartonplatten (Rigips): Müssen stabil montiert sein (meist doppelt beplankt an der Wand). Grundierung ist Pflicht.
- Gipsfaserplatten (z. B. Fermacell): Stabiler als Gipskarton, benötigen aber ebenfalls eine Grundierung.
- Hartschaum-Trägerplatten (z. B. Wedi oder Jackoboard): Ideal für Badrenovierungen, da sie wasserabweisend sind.
3. Holzuntergründe (Kritisch)
Holz dehnt sich aus und zieht sich zusammen. Hier ist Vorsicht geboten:
- Spanplatten (V100): Müssen fest verschraubt und ausreichend dick sein.
- OSB-Platten: Aufgrund der glatten Oberfläche schwierig; sie müssen angeschliffen, grundiert und mit hochflexiblen Klebern bearbeitet werden.
- Dielenböden: Nur bedingt geeignet. Oft ist eine Entkopplungsmatte notwendig, um Risse in den Fliesen zu vermeiden.
4. Alte Beläge (Renovierung)
- Fliese auf Fliese: Alte Fliesenbeläge sind ein hervorragender Untergrund, sofern sie fest sitzen. Sie müssen gründlich entfettet und mit einer speziellen Haftgrundierung vorbehandelt werden.
- Feste Farbanstriche: Nur wenn es sich um unbeschädigte Lack- oder Dispersionsfarben handelt (müssen angeschliffen werden).
- PVC-Beläge: Nur in Ausnahmefällen, wenn sie vollflächig verklebt sind (Spezialgrundierung nötig).
Wichtige Voraussetzungen für alle Untergründe:
- Tragfähigkeit: Der Untergrund darf nicht bröckeln, sanden oder nachgeben.
- Sauberkeit: Frei von Staub, Fett, Öl oder alten Tapetenresten.
- Grundierung:
- Saugende Untergründe (Putz, Estrich) brauchen Tiefengrund, damit dem Kleber nicht zu schnell das Wasser entzogen wird.
- Nicht-saugende Untergründe (alte Fliesen) brauchen eine Haftbrücke.
- Ebenheit: Große Unebenheiten sollten vorher mit Spachtelmasse oder Ausgleichsmasse nivelliert werden, da Fliesenkleber nicht zum Ausgleichen tiefer Löcher gedacht ist.
Welchen Kleber wählen?
- Normaler Fliesenkleber: Für stabile mineralische Untergründe.
- Flexkleber (C2-Klassifizierung): Für fast alle modernen Anwendungen, besonders auf Trockenbau, Fußbodenheizung, Holz oder alten Fliesen, da er Spannungen ausgleicht.
- Dispersionskleber: Fertig gemischt im Eimer, nur für Wände im Innenbereich (trocken).