Warum haftet Dispersionsfarbe nicht auf einem bereits vorhandenen Lackanstrich?

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Das Problem, dass Dispersionsfarbe nicht auf Lack haftet, hat physikalische und chemische Gründe. Man kann es sich vereinfacht so vorstellen: „Wasser perlt an Öl/Kunststoff ab.“

Hier sind die drei Hauptgründe im Detail:

1. Mangelnde mechanische Verkrallung (Glätte)

Dispersionsfarben benötigen einen offenporigen oder zumindest leicht rauen Untergrund, um sich mechanisch „festzubeißen“ (Verkrallung).

  • Lacke bilden eine extrem glatte, geschlossene Oberfläche.
  • Die Dispersionsfarbe findet keine Poren, in die sie eindringen kann. Sie liegt nur lose oben auf und lässt sich nach dem Trocknen oft wie eine Haut abziehen.

2. Unterschiedliche Oberflächenspannung (Benetzung)

Dispersionsfarbe ist wasserbasiert. Lacke (besonders Alkydharzlacke oder moderne Acryllacke) sind so konzipiert, dass sie Wasser abweisen (hydrophob sind).

  • Ähnlich wie Wassertropfen auf einer frisch gewachsten Motorhaube perlt die Dispersionsfarbe beim Auftrag zusammen, anstatt einen gleichmäßigen Film zu bilden.
  • Die chemische Verbindung zwischen der wasserlöslichen Bindemittel-Struktur der Dispersion und der öligen oder harten Kunststoff-Struktur des Lacks ist sehr schwach.

3. Fehlende Saugfähigkeit

Wandfarben (Dispersionen) trocknen physikalisch, indem das enthaltene Wasser verdunstet und ein Teil davon in den Untergrund einzieht.

  • Ein Lackanstrich ist diffusionsdicht (versiegelt). Da der Untergrund nichts aufnimmt, „schwimmt“ die Farbe beim Auftragen auf dem Lack und trocknet sehr langsam und instabil von oben nach unten, was die Haftung zusätzlich verschlechtert.

Wie bekommt man Dispersionsfarbe trotzdem auf Lack fest?

Falls du eine lackierte Fläche (z. B. eine Türzarge oder einen lackierten Sockel) mit Wandfarbe überstreichen möchtest, musst du eine „Brücke“ bauen:

  1. Anschleifen: Die Lackoberfläche muss mit Schleifpapier (Körnung 120–180) gründlich matt geschliffen werden. Das erzeugt mikroskopisch kleine Rillen, in denen die Farbe mechanisch halten kann.
  2. Entfetten: Staub, Fett und Fingerabdrücke müssen mit Anlauger oder Spiritus entfernt werden, da sie wie Trennmittel wirken.
  3. Haftgrund (Primer) verwenden: Dies ist der wichtigste Schritt. Es gibt spezielle Haftvermittler (auch „Allgrund“ oder „Adhesion Primer“ genannt). Diese Grundierungen sind chemisch so formuliert, dass sie einerseits extrem gut auf glattem Lack kleben und andererseits eine griffige Oberfläche für die Dispersionsfarbe bieten.

Fazit: Ohne Vorbehandlung wird die Dispersionsfarbe früher oder später abblättern oder bei der kleinsten Berührung abplatzen.

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