Warum deckt die Dispersionsfarbe auch nach dem zweiten Anstrich nicht vollständig?
Es ist frustrierend, wenn man sich die Arbeit macht und das Ergebnis nach dem zweiten Anstrich immer noch fleckig oder ungleichmäßig aussieht. Dass Dispersionsfarbe nicht richtig deckt, kann verschiedene Ursachen haben – von der Qualität der Farbe bis hin zur Beschaffenheit der Wand.
Hier sind die häufigsten Gründe und Lösungen:
1. Die Deckkraftklasse der Farbe ist zu niedrig
Wandfarben sind in Deckkraftklassen (1 bis 4) eingeteilt. Diese Angabe findest du meist im Kleingedruckten auf dem Eimer:
- Klasse 1: Höchste Deckkraft (deckt oft schon beim ersten Mal).
- Klasse 2: Gute Deckkraft (benötigt meist zwei Anstriche).
- Klasse 3 und 4: Günstige Baumarktfarben mit wenig Pigmenten. Hier sind oft drei oder mehr Anstriche nötig.
- Lösung: Achte beim Kauf auf „Deckkraftklasse 1“. Billige Farbe enthält mehr Füllstoffe (wie Kreide) und weniger Pigmente (Titandioxid), was die Deckkraft mindert.
2. Zu starke Verdünnung
Oft wird die Farbe mit zu viel Wasser verdünnt, um sie streichfähiger zu machen. Dadurch sinkt jedoch die Pigmentkonzentration pro Quadratmeter.
- Lösung: Verdünne die Farbe für den zweiten Anstrich gar nicht oder nur maximal um 5 %. Rühre die Farbe vor der Verwendung mit einem Rührstab (am besten ein Aufsatz für die Bohrmaschine) gründlich auf, da sich die schweren Pigmente unten am Boden absetzen.
3. Der Untergrund ist zu saugfähig
Wenn die Wand (z. B. frischer Putz oder Gipskarton) sehr stark saugt, wird das Bindemittel der Farbe in die Wand gezogen, bevor es die Pigmente an der Oberfläche fixieren kann. Die Farbe wirkt dann „mager“ und deckt nicht.
- Lösung: Die Wand muss vor dem Anstrich mit Tiefgrund (Grundierung) behandelt werden. Das sättigt die Saugfähigkeit und sorgt dafür, dass die Farbe auf der Oberfläche bleibt.
4. Falsches Werkzeug oder falsche Technik
- Zu wenig Farbe: Viele Heimwerker „verhungern“ die Walze, das heißt, sie versuchen mit einer Ladung Farbe eine zu große Fläche zu streichen. Die Farbe wird zu dünn ausgezogen.
- Falsche Walze: Für grobe Wände (Raufaser, Putz) brauchst du eine langflorige Walze. Eine kurzflorige Walze gibt in den Vertiefungen keine Farbe ab.
- Lösung: Arbeite nach der „Nass-in-Nass“-Methode. Trage die Farbe satt auf und verschlichte sie gleichmäßig, ohne zu fest auf die Rolle zu drücken.
5. Zu hoher Kontrast zum Untergrund
Wenn du eine weiße Farbe auf eine sehr dunkle Wand (z. B. Dunkelblau oder Rot) streichst, reichen zwei Schichten oft nicht aus, selbst bei guter Qualität. Das Gleiche gilt für sehr intensive Bunttöne (Gelb und Rot decken physikalisch bedingt schlechter als Erdtöne).
- Lösung: Bei extremen Farbunterschieden hilft oft ein dritter Anstrich oder eine spezielle pigmentierte Grundierung.
6. Die Farbe wurde nicht lange genug getrocknet
Dispersionsfarbe entfaltet ihre volle Deckkraft erst, wenn sie komplett durchgetrocknet ist. Wenn man zu früh über die noch feuchte Stelle streicht, löst man die erste Schicht teilweise wieder an und „schiebt“ die Pigmente hin und her.
- Lösung: Halte die Trocknungszeiten (meist 4–6 Stunden) strikt ein, bevor du den zweiten Anstrich beginnst.
Zusammenfassung: Was kannst du jetzt tun?
- Check den Eimer: Welche Deckkraftklasse ist angegeben? Wenn es Klasse 3 oder 4 ist, hilft nur ein dritter Anstrich oder der Wechsel zu einer hochwertigeren Farbe.
- Satt auftragen: Nimm beim nächsten Mal mehr Farbe auf die Rolle.
- Grundierung prüfen: Wenn die Wand die Farbe regelrecht „aufsaugt“, hättest du grundieren müssen. Jetzt hilft meist nur noch, so lange weiterzustreichen, bis die Sättigung erreicht ist.