Wie lässt sich feststellen, ob ein alter Anstrich auf einer Wand eine Dispersionsfarbe oder eine Kalkfarbe ist, bevor man neu darüber streicht?

Bearbeiten
Löschen

Um festzustellen, ob es sich bei einem alten Wandanstrich um Dispersionsfarbe oder Kalkfarbe handelt, gibt es einige einfache Tests, die man selbst durchführen kann. Das ist wichtig, da diese Farben unterschiedliche Eigenschaften haben und nicht jede Farbe auf jedem Untergrund haftet (z. B. hält Dispersionsfarbe schlecht auf kreidender Kalkfarbe).

Hier sind die gängigsten Methoden:

1. Der Wischtest (Abkreide-Test)

Dies ist die einfachste Methode, um Kalkfarbe oder auch Leimfarbe zu erkennen.

  • Durchführung: Fahren Sie mit der flachen Hand oder einem dunklen, feuchten Tuch mit etwas Druck über die trockene Wand.
  • Ergebnis Kalkfarbe: Es bleibt ein deutlicher weißer, staubiger Abrieb an der Hand oder dem Tuch hängen (die Farbe „kreidet“).
  • Ergebnis Dispersionsfarbe: Es bleibt kaum oder gar kein Abrieb hängen. Die Oberfläche ist meist glatter und fester.

2. Der Benetzungstest (Wassertest)

Dieser Test zeigt, wie die Farbe auf Feuchtigkeit reagiert.

  • Durchführung: Sprühen oder spritzen Sie etwas Wasser auf die Wand.
  • Ergebnis Kalkfarbe: Das Wasser wird sofort aufgesaugt, und die Stelle verfärbt sich deutlich dunkel. Kalkfarbe ist stark diffusionsoffen (atmungsaktiv) und saugfähig.
  • Ergebnis Dispersionsfarbe: Das Wasser perlt eher ab oder zieht nur sehr langsam ein. Die Farbe dunkelt kaum nach, da die enthaltenen Kunststoffe die Poren weitgehend verschließen.

3. Der Säuretest (für Profis oder bei Unsicherheit)

Kalk (Calciumcarbonat) reagiert chemisch auf Säure.

  • Durchführung: Träufeln Sie ein paar Tropfen Essigessenz oder verdünnte Salzsäure auf eine unauffällige Stelle des Anstrichs.
  • Ergebnis Kalkfarbe: Es fängt an zu sprudeln oder zu schäumen. Das ist die chemische Reaktion, bei der Kohlendioxid freigesetzt wird.
  • Ergebnis Dispersionsfarbe: Es passiert gar nichts.

4. Die Kratzprobe

  • Durchführung: Kratzen Sie mit einem Spachtel oder einem Messer vorsichtig an der Oberfläche.
  • Ergebnis Kalkfarbe: Die Farbe splittert eher spröde und pulverig ab. Sie lässt sich oft schichtweise abkratzen, wenn sie sehr alt ist.
  • Ergebnis Dispersionsfarbe: Die Farbe wirkt eher elastisch, fast wie eine dünne Kunststoffschicht oder Haut, die sich in größeren Stücken (Filmen) abziehen lässt.

Warum ist die Unterscheidung so wichtig?

  1. Wenn es Kalkfarbe ist:

    • Man kann nicht einfach mit normaler Dispersionsfarbe darüber streichen. Die Dispersionsfarbe würde beim Trocknen Spannungen aufbauen und die darunterliegende Kalkschicht einfach mit abreißen.
    • Lösung: Entweder die Kalkfarbe gründlich abwaschen (mühsam), mit einem speziellen Tiefengrund (lösungsmittelhaltig) festigen oder wieder eine Mineralfarbe (Kalk- oder Silikatfarbe) verwenden.
  2. Wenn es Dispersionsfarbe ist:

    • Hier hält fast jede moderne Wandfarbe (erneut Dispersion, Latexfarbe etc.).
    • Kalkfarben halten auf Dispersionsuntergründen nur, wenn vorher eine spezielle Haftbrücke (Mineralputzgrundierung) aufgetragen wurde.
  3. Sonderfall Leimfarbe:

    • Wenn die Wand beim Wischtest extrem stark weiß abfärbt und sich mit einem nassen Schwamm fast wie Seife abwaschen lässt, handelt es sich um Leimfarbe. Diese muss vor jedem Neuanstrich zwingend mit Wasser und Schwamm komplett abgewaschen werden, da darauf absolut nichts haftet.

Tipp für die Praxis: Wenn Sie unsicher sind, ist das gründliche Abwaschen und anschließende Grundieren mit Tiefengrund immer der sicherste Weg für einen langlebigen neuen Anstrich.