Welche Vorteile bietet Dispersionsfarbe im Vergleich zu Kalkfarbe?
Dispersionsfarben sind heute der Standard in der Innenraumgestaltung, da sie sehr vielseitig und anwenderfreundlich sind. Im Vergleich zu Kalkfarben bieten sie eine Reihe spezifischer Vorteile, insbesondere in Bezug auf die Verarbeitung, Haltbarkeit und Gestaltungsmöglichkeiten.
Hier sind die wichtigsten Vorteile von Dispersionsfarbe gegenüber Kalkfarbe:
1. Leichtere Verarbeitung (DIY-freundlich)
Dispersionsfarben sind wesentlich einfacher zu handhaben. Sie sind meist „gebrauchsfertig“ eingestellt, spritzen weniger und haben eine cremige Konsistenz.
- Kalkfarbe: Erfordert oft mehrere Anstriche, eine spezielle Technik (meist mit der Bürste) und ist im nassen Zustand fast transparent, was die Einschätzung des Ergebnisses erschwert.
- Dispersionsfarbe: Deckt meist schon nach dem ersten oder zweiten Anstrich und lässt sich problemlos mit der Rolle auftragen.
2. Höhere Deckkraft
Dispersionsfarben enthalten einen hohen Anteil an Pigmenten und Füllstoffen.
- Sie decken dunkle Untergründe oder Flecken deutlich besser ab als Kalkfarben. Das spart Zeit und Material.
3. Riesige Farbauswahl und Farbtreue
- Dispersionsfarbe: Kann in fast jedem erdenklichen Farbton gemischt werden – von knalligen Volltönen bis hin zu tiefem Schwarz. Die Farbe bleibt nach dem Trocknen sehr stabil.
- Kalkfarbe: Ist aufgrund der chemischen Beschaffenheit (hoher pH-Wert) nur mit kalkechten Pigmenten mischbar. Das schränkt die Auswahl meist auf Pastelltöne und Erdfarben ein. Zudem trocknet Kalkfarbe deutlich heller auf, als sie im Eimer aussieht.
4. Strapazierfähigkeit und Reinigungsfähigkeit
Dispersionsfarben bilden nach dem Trocknen einen elastischen, belastbaren Film.
- Scheuerbeständigkeit: Viele Dispersionsfarben sind waschbeständig oder sogar scheuerbeständig (Klasse 1 oder 2). Flecken lassen sich oft mit einem feuchten Tuch abwischen.
- Kalkfarbe: Ist oft „kreidend“. Wenn man mit der dunklen Kleidung an der Wand entlangstreift, bleibt oft ein weißlicher Abrieb hängen. Sie ist zudem sehr empfindlich gegenüber Wasser und Schmutz.
5. Bessere Haftung auf verschiedenen Untergründen
Dispersionsfarben sind wahre Allrounder. Durch die enthaltenen Kunststoffbindemittel (Aerylate oder Vinylacetate) haften sie auf fast allem:
- Raufasertapete, Gipskartonplatten, alte Dispersionsanstriche, Beton oder Putz.
- Kalkfarbe: Benötigt zwingend einen mineralischen Untergrund (Putz, Stein, Beton). Auf Tapeten oder alten Dispersionsfarben hält sie ohne speziellen Haftgrund oft nicht.
6. Elastizität (Rissüberbrückung)
Da Dispersionsfarben Kunststoffanteile enthalten, bleiben sie leicht elastisch.
- Sie können feine Setzrisse im Putz bis zu einem gewissen Grad überbrücken, ohne selbst zu reißen.
- Kalkfarbe: Ist spröde und unelastisch. Bei Bewegungen im Untergrund bilden sich sofort feine Risse.
7. Überstreichbarkeit
Eine Wand, die mit Dispersionsfarbe gestrichen wurde, kann problemlos beliebig oft mit moderner Wandfarbe überstrichen werden.
- Kalkfarbe: Ist ein schwieriger Untergrund für andere Farben. Wenn man später auf eine normale Dispersionsfarbe umsteigen will, muss die Kalkschicht oft mühsam abgewaschen oder mechanisch entfernt werden, da die neue Farbe sonst abblättert.
Zusammenfassung: Wann Dispersionsfarbe wählen?
Wählen Sie Dispersionsfarbe, wenn:
- Sie ein schnelles, gleichmäßiges Ergebnis wollen.
- Sie kräftige oder dunkle Farben bevorzugen.
- Die Wände im Flur oder Kinderzimmer strapazierfähig und abwischbar sein müssen.
- Sie auf Tapete oder Gipskarton streichen.
Hinweis zum Raumklima: Der einzige Bereich, in dem die Kalkfarbe punktet, ist die Atmungsaktivität und Schimmelhemmung. Moderne, hochwertige Dispersionsfarben sind heute jedoch ebenfalls sehr diffusionsoffen ("atmungsaktiv"), sodass dieser Nachteil im normalen Wohnbereich kaum noch ins Gewicht fällt.