Warum schlagen Flecken aus dem Untergrund trotz Grundierung in den Anstrich durch?
Dass Flecken trotz einer Grundierung wieder zum Vorschein kommen (man nennt das in der Fachsprache „Durchbluten“), ist ein häufiges und ärgerliches Problem. Der Grund dafür ist fast immer eine physikalische oder chemische Unverträglichkeit zwischen dem Fleck, der Grundierung und der Farbe.
Hier sind die Hauptgründe, warum das passiert:
1. Falsche Art der Grundierung (Tiefgrund vs. Absperrgrund)
Dies ist der häufigste Fehler. Viele Heimwerker nutzen einen normalen Tiefgrund.
- Tiefgrund soll nur die Saugfähigkeit des Untergrunds regulieren und den Putz festigen. Er ist „offenporig“ und hat keine isolierende Wirkung.
- Absperrgrund (Isoliergrund) hingegen bildet einen dichten Film, der verhindert, dass wasserlösliche Stoffe aus dem Untergrund in die feuchte Farbe wandern.
2. Die Stoffe sind wasserlöslich
Die meisten Wandfarben (Emulsionen) sind wasserbasiert. Wenn du eine wasserbasierte Farbe oder Grundierung auf einen wasserlöslichen Fleck aufträgst, passiert Folgendes:
- Das Wasser in der Farbe löst die Farbstoffe im Fleck (z. B. Nikotin oder Gerbstoffe) an.
- Während die Farbe trocknet, wandern diese gelösten Stoffe durch die feuchte Farbschicht nach oben an die Oberfläche.
- Dort bleiben sie nach dem Verdunsten des Wassers als Fleck sichtbar.
3. Typische „Hartnäckige“ Stoffe
Bestimmte Substanzen lassen sich mit Standardprodukten kaum stoppen:
- Nikotin: Extrem wasserlöslich und wandert sofort durch.
- Ruß und Fett: Diese Stoffe verbinden sich nicht mit der Farbe und schlagen immer wieder durch.
- Wasserflecken (Lignin/Salze): Wenn Holz oder alter Putz feucht wurde, lösen sich braune Stoffe (Lignin) oder Salze, die extrem hartnäckig durchscheinen.
- Inhaltsstoffe von Holz (Gerbstoffe): Besonders bei Eiche, Lärche oder tropischen Hölzern bluten die natürlichen Säuren gelblich-braun durch.
- Edding/Kugelschreiber: Die darin enthaltenen Lösungsmittel und Farbstoffe sind oft extrem wanderungsfreudig.
4. Zu kurze Trocknungszeiten
Wenn die Grundierung (selbst ein Absperrgrund) nicht lange genug durchgetrocknet ist, ist der Schutzfilm noch nicht stabil genug. Die Feuchtigkeit der nachfolgenden Farbschicht löst die Barriere dann wieder an, und die Flecken kommen durch.
Wie löst man das Problem?
Wenn der Fleck bereits durchschlägt, hilft kein dritter oder vierter Anstrich mit normaler Wandfarbe (das macht es oft sogar schlimmer, weil man immer mehr Feuchtigkeit einbringt).
Die Lösungsschritte:
- Spezial-Isoliergrund (Absperrgrund) verwenden: Du benötigst ein Produkt, das explizit als „Isolier- und Absperrgrund“ oder „Renovierfarbe“ gekennzeichnet ist.
- Lösemittelbasierte Produkte: In extremen Fällen (starke Nikotin- oder Wasserflecken) sind wasserbasierte Absperrgründe überfordert. Ein lösemittelbasierter Isoliergrund (z. B. auf Schellack-Basis oder speziellen Kunstharzen) ist hier die „Wunderwaffe“, da er die wasserlöslichen Stoffe nicht anlöst.
- Spray-Isolierer: Für kleine Stellen (z. B. ein einzelner Rußfleck oder ein Edding-Strich) gibt es praktische Isolier-Sprays im Baumarkt, die sehr schnell trocknen und extrem gut absperren.
- Vollständig trocknen lassen: Halte die Trocknungszeiten auf der Dose strikt ein (oft 12–24 Stunden), bevor du mit der eigentlichen Wandfarbe drüberstreichst.
Zusammenfassend: Du hast wahrscheinlich nur den Untergrund verfestigt (Tiefgrund), statt ihn zu versiegeln (Absperrgrund). Einmal mit einem hochwertigen Isolierspray oder Absperrgrund drüber, und das Problem ist erledigt.