Warum führt die Produktion von Riesengarnelen häufig zur Zerstörung von Mangrovenwäldern?

Melden

Die Zerstörung von Mangrovenwäldern durch die Zucht von Riesengarnelen (Aquakulturen) ist eines der größten ökologischen Probleme in tropischen Küstenregionen (vor allem in Südostasien, Lateinamerika und Afrika).

Hier sind die Hauptgründe für diesen Prozess:

1. Direkte Flächennutzung (Standortvorteile)

Mangroven wachsen genau dort, wo Garnelenzüchter ihre Teiche anlegen wollen: in der Gezeitenzone an tropischen Küsten.

  • Zugang zu Wasser: Die Züchter benötigen einen ständigen Austausch von Frisch- und Salzwasser. Die Gezeitenzone bietet diesen Zugang kostenlos durch Ebbe und Flut.
  • Flaches Gelände: Mangrovensümpfe sind flach und lassen sich mit vergleichsweise geringem technischem Aufwand in Teichlandschaften umwandeln.

2. Der Teufelskreis der „Wander-Aquakultur“

Das Hauptproblem ist nicht nur die einmalige Anlage eines Teiches, sondern die kurze Lebensdauer dieser Anlagen:

  • Verschmutzung: In der intensiven Zucht leben bis zu 150 Garnelen pro Quadratmeter. Damit diese nicht sterben, werden massiv Antibiotika, Pestizide und Chemikalien eingesetzt.
  • Biologischer Kollaps: Nach etwa 3 bis 10 Jahren ist der Boden der Teiche so stark mit Exkrementen, Chemikalien und Salz gesättigt, dass die Garnelen krank werden und sterben.
  • Neuerschließung: Anstatt die alten Teiche aufwendig zu sanieren, verlassen die Betreiber die zerstörten Flächen und holzen ein Stück weiter den nächsten intakten Mangrovenwald ab, um neue, „frische“ Teiche anzulegen.

3. Bodenveränderungen (Versauerung)

Mangrovenböden sind oft reich an Schwefelverbindungen. Solange sie unter Wasser stehen, ist das unproblematisch. Sobald der Wald jedoch für Teiche gerodet und der Boden entwässert wird, reagiert der Schwefel mit dem Sauerstoff der Luft zu Schwefelsäure. Dies macht das Wasser in den Teichen sauer und für die Garnelenzucht unbrauchbar, was wiederum dazu führt, dass die Züchter schneller zu neuen Flächen weiterziehen.

4. Unterbrechung des Wasserhaushalts

Für die Garnelenzucht werden Kanäle gegraben und Dämme errichtet. Dies verändert die Hydrologie des gesamten Küstenstreifens. Auch Mangrovenflächen, die nicht direkt gerodet wurden, sterben oft ab, weil ihr empfindliches Gleichgewicht aus Süß- und Salzwasser durch die künstlichen Kanäle der Farmen gestört wird.


Warum ist das so dramatisch?

Die Zerstörung hat schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt:

  • Verlust des Küstenschutzes: Mangroven sind natürliche Barrieren gegen Tsunamis und Sturmfluten. Ohne sie treffen Wellen ungebremst auf das Hinterland.
  • Klimawandel: Mangroven speichern pro Hektar bis zu fünfmal mehr Kohlenstoff als tropische Regenwälder („Blue Carbon“). Werden sie gerodet, wird massiv CO2 freigesetzt.
  • Verlust der Artenvielfalt: Mangroven sind die „Kinderstube“ vieler Fischarten. Wenn die Wälder verschwinden, brechen die lokalen Fischbestände ein, was die Lebensgrundlage der einheimischen Fischer zerstört.

Zusammenfassend: Die Produktion von Riesengarnelen führt zur Zerstörung von Mangroven, weil diese Wälder auf dem idealen Land für billige, industrielle Zuchtanlagen stehen und die Anlagen durch ökologischen Raubbau so schnell unbrauchbar werden, dass ständig neue Waldflächen geopfert werden müssen.

0