Begünstigt die Zerstörung des natürlichen Säureschutzmantels durch Waschlotionen bakterielle Infektionen?

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Ja, das ist absolut korrekt. Die Zerstörung des natürlichen Säureschutzmantels der Haut begünstigt die Ansiedlung und Vermehrung krankheitserregender Bakterien sowie anderer Mikroorganismen.

Hier ist die wissenschaftliche Erklärung, warum das so ist:

1. Der pH-Wert als Barriere

Der natürliche Säureschutzmantel (ein Gemisch aus Talg, Schweiß und Bestandteilen der Hornzellen) hat einen leicht sauren pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5.

  • Die "guten" Bakterien: Unsere natürliche Hautflora (z. B. Staphylococcus epidermidis) ist an dieses saure Milieu angepasst und braucht es, um optimal zu gedeihen.
  • Die "schlechten" Bakterien: Viele krankheitserregende Keime (wie Staphylococcus aureus oder viele Pilzarten) bevorzugen ein neutrales bis leicht alkalisches Milieu. Durch den Säureschutzmantel werden sie am Wachstum gehindert („chemische Barriere“).

Wenn Waschlotionen (besonders alkalische Seifen mit einem pH-Wert von 9 bis 12) diesen Schutzmantel neutralisieren, steigt der pH-Wert der Hautoberfläche an. Das bietet pathogenen Keimen ideale Wachstumsbedingungen.

2. Die physikalische Barriere (Lipide)

Waschlotionen enthalten Tenside, die Fett lösen sollen. Dabei werden jedoch nicht nur Schmutz und überschüssiges Fett entfernt, sondern auch die hauteigenen Lipide (Fette), die die Hornzellen wie „Mörtel“ zusammenhalten.

  • Wird dieser Fettfilm zerstört, entstehen mikroskopisch kleine Risse in der Haut.
  • Durch diese Risse können Bakterien viel leichter in tiefere Hautschichten eindringen und dort Entzündungen oder Infektionen auslösen.

3. Verdrängungseffekt

Eine gesunde Hautflora besetzt alle verfügbaren „Plätze“ auf der Haut. Man nennt das Kolonisationsresistenz. Wenn man durch zu aggressives Waschen die natürliche Flora dezimiert, wird Platz frei, den fremde, potenziell schädliche Bakterien besetzen können.

Was passiert bei häufigem Waschen?

Die Haut benötigt je nach Alter und Veranlagung zwischen zwei und mehreren Stunden, um den Säureschutzmantel nach dem Waschen wieder vollständig aufzubauen. Wer sich sehr häufig mit aggressiven Mitteln wäscht, lässt der Haut keine Zeit zur Regeneration. Die Folge sind:

  • Austrocknung (Exsikkationsekzem).
  • Juckreiz.
  • Erhöhte Infektionsanfälligkeit (z.B. für Eiterbakterien oder Pilze).

Empfehlung für die Praxis:

Um die Haut zu schützen, empfehlen Dermatologen:

  1. pH-hautneutrale Produkte: Achten Sie auf den Aufdruck „pH 5,5“ oder „pH-hautneutral“. Diese stören den Säureschutzmantel deutlich weniger als klassische Seife.
  2. Rückfettende Substanzen: Gute Waschlotionen (Syndets) enthalten Stoffe, die der Haut direkt wieder etwas Fett zurückgeben.
  3. Weniger ist mehr: Nur dort waschen, wo es nötig ist, und nicht zu heißes Wasser verwenden.
  4. Eincremen: Nach dem Waschen hilft eine Lotion, die Barrierefunktion künstlich zu unterstützen, bis die Haut sich selbst regeneriert hat.