Warum fallen Mohn oder Sesam so leicht von der Oberfläche der Kaiserbrötchen ab?
Dass Mohn oder Sesam so leicht von Kaiserbrötchen abfallen, ist ein bekanntes Ärgernis. Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie die Saaten industriell oder handwerklich aufgebracht werden und wie sich der Teig beim Backen verhält.
Hier sind die Hauptgründe:
1. Fehlendes „Bindemittel“ (Der Kleber-Effekt)
Damit Körner auf einer glatten Teigoberfläche haften, benötigen sie ein Bindemittel.
- Wasser vs. Ei: In der industriellen Produktion und auch in vielen Bäckereien werden die Brötchenrohlinge oft nur mit Wasser besprüht, bevor sie in die Saaten gedrückt werden. Wasser verdunstet jedoch beim Backen fast vollständig. Zurück bleibt eine trockene Schnittstelle zwischen Korn und Kruste, die kaum mechanische Haftung bietet.
- Eiweiß oder Stärke: Würde man Eiweiß oder eine dünne Stärkeschmiere (wie beim Brezelbacken oder bei speziellen Premium-Brötchen) verwenden, würden die Proteine oder Zuckerstoffe wie ein Kleber wirken. Das ist aber aufwendiger und teurer.
2. Der „Ofentrieb“ (Ausdehnung des Teigs)
Wenn das Brötchen in den heißen Ofen kommt, dehnt es sich stark aus (der sogenannte Ofentrieb).
- Die Oberfläche des Brötchens vergrößert sich dabei massiv.
- Die Saaten liegen jedoch starr an ihrer Position. Wenn sich der Teig darunter dehnt und die Kruste hart wird, lockert sich die Verbindung zwischen dem Korn und der Oberfläche. Die Körner „schwimmen“ sozusagen auf der Kruste, anstatt fest mit ihr verwachsen zu sein.
3. Mangelnder Druck beim Auftragen
In der Massenproduktion fahren die Teiglinge oft über ein Band und werden von oben mit Mohn oder Sesam bestreut. Dabei fehlt der mechanische Druck, um die Körner ein kleines Stück weit in die Teigoberfläche hineinzudrücken. Wenn die Körner nur locker obenauf liegen, haben sie nach dem Backen keinen Halt in der Struktur der Kruste.
4. Die Beschaffenheit der Kruste
Kaiserbrötchen haben eine typische, eher trockene und rösche Kruste. Im Gegensatz zu weichen Burger-Buns oder Milchbrötchen, deren Oberfläche oft fettiger oder feuchter bleibt, wird die Kruste beim Kaiserbrötchen sehr hart und spröde. Bei jeder Erschütterung (beim Aufschneiden oder sogar schon beim Transport in der Tüte) bricht die hauchdünne Grenzschicht zwischen Korn und Brot, und die Saat fällt ab.
5. Die Form des Korns
Besonders Mohn und Sesam sind sehr klein und glatt. Im Gegensatz zu Sonnenblumenkernen oder Haferflocken, die eine größere und raue Oberfläche haben (und oft tiefer in den Teig eingedrückt werden), bieten Mohn und Sesam kaum Angriffsfläche für eine mechanische Verzahnung mit dem Teig.
Zusammenfassung: Warum ist das so?
Es ist meist ein Kompromiss aus Kosteneffizienz und Geschwindigkeit. Eine perfekte Haftung würde voraussetzen, dass jedes Brötchen einzeln in eine Klebeflüssigkeit (wie Eiweiß) getaucht und fest in die Saaten gedrückt wird. Da Brötchen ein günstiges Massenprodukt sind, wird meist nur die schnelle Methode mit Wassernebel und Bestreuen gewählt.
Tipp für zu Hause: Wenn du aufgebackene Brötchen hast, bei denen die Körner extrem rieseln, hilft es manchmal, sie vor dem Aufschneiden ganz leicht mit Wasser zu bestreichen – das macht die Kruste kurzzeitig elastischer und verhindert, dass die Körner beim ersten Druck des Messers wegspringen.