Welche Folgen hat die Wahl einer zu groben Körnung für die Oberfläche?

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Die Wahl einer zu groben Körnung beim Schleifen hat mehrere negative Auswirkungen auf die Oberfläche, die sowohl die Optik als auch die Haptik und die weitere Bearbeitung betreffen.

Hier sind die wichtigsten Folgen im Detail:

1. Tiefe Schleifspuren und Riefen

Das offensichtlichste Problem sind deutlich sichtbare Kratzer (Riefen). Eine grobe Körnung trägt Material durch große Schleifkörner ab, die tiefe Furchen in das Material graben. Diese sind oft so tief, dass sie mit dem bloßen Auge oder spätestens nach dem Auftragen von Oberflächenmitteln (Lack, Öl) sichtbar werden.

2. Erhöhter Nachbearbeitungsaufwand

Wenn Sie mit einer zu groben Körnung beginnen, müssen Sie im Anschluss viel mehr Zeit und Mühe aufwenden, um diese tiefen Riefen mit feineren Körnungen wieder herauszuschleifen. Überspringen Sie dann auch noch Zwischenschritte (z. B. von 40er direkt auf 120er Körnung), bleiben die tiefen Spuren der groben Körnung oft unter der glatteren Oberfläche bestehen.

3. Probleme bei der Endbeschichtung (Lack, Beize, Öl)

Oberflächenbeschichtungen wirken oft wie ein „Vergrößerungsglas“ für Schleiffehler:

  • Beizen: Die Pigmente setzen sich in den tiefen Riefen fest, wodurch das Schliffbild extrem dunkel und streifig hervortritt.
  • Ölen/Wachsen: Das Licht bricht sich in den Kratzern, die Oberfläche wirkt stumpf und ungleichmäßig.
  • Lackieren: Auch wenn Lack Schichten bildet, sackt er in die Riefen ein. Die Oberfläche wird nicht perfekt glatt oder spiegelt unruhig.

4. Zu hoher Materialabtrag

Bei furnierten Oberflächen (z. B. Spanplatten mit einer dünnen Echtholzschicht) besteht die Gefahr, dass man durch die grobe Körnung die dünne Edelholzschicht komplett durchschleift. Das Werkstück ist dann oft irreparabel beschädigt. Auch bei präzisen Bauteilen können die Maße durch zu aggressives Schleifen schnell außerhalb der Toleranz liegen.

5. Ausreißen von Fasern (bei Holz)

Grobe Körner schneiden die Holzfasern nicht sauber ab, sondern reißen sie eher aus dem Verbund heraus. Das führt zu einer „pelzigen“ Oberfläche. Wenn später Feuchtigkeit (z. B. wasserbasierter Lack) auf das Holz trifft, stellen sich diese abgerissenen Fasern extrem stark auf, und die Oberfläche wird wieder rau.

6. Unsaubere Kantenverrundung

An Kanten führt eine grobe Körnung oft dazu, dass man ungewollt zu viel Material wegnimmt und die Kante „verhunzt“ oder ungleichmäßig abrundet, anstatt sie nur leicht zu brechen.

Fazit und Faustregel:

Die Wahl der Körnung sollte immer stufenweise erfolgen. Man beginnt so fein wie möglich (um das Ziel noch effizient zu erreichen) und so grob wie nötig.

Die goldene Regel des Schleifens: Überspringen Sie beim Wechsel zur nächsten Körnung nie mehr als eine Stärke im Standard-Sortiment (z. B. 80 -> 120 -> 180). Wenn Sie zu grob anfangen, erzeugen Sie Schäden, die Sie später mühsam wieder beseitigen müssen.

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