Was bedeuten tiefe Rillen oder Riegen auf der Oberfläche einer Bremsscheibe?

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Tiefe Rillen oder Riegen (oft auch „Riefen“ genannt) auf einer Bremsscheibe sind deutliche Anzeichen für Verschleiß oder Defekte im Bremssystem. Sie verändern das sogenannte Tragbild der Bremse und sollten ernst genommen werden.

Hier sind die Hauptursachen und die Bedeutung dieser Rillen:

1. Die häufigsten Ursachen

  • Verschlissene Bremsbeläge (Metall auf Metall): Wenn der Reibbelag der Bremsklötze komplett abgefahren ist, trifft die Trägerplatte aus Stahl direkt auf die Bremsscheibe. Das verursacht tiefe, oft unregelmäßige Rillen und ein mahlendes Geräusch.
  • Fremdkörper: Kleine Steinchen, Splitt oder Streusalzreste können sich zwischen Bremsbelag und Scheibe verfangen. Da diese Materialien oft sehr hart sind, graben sie sich während des Bremsvorgangs wie ein Schneidwerkzeug in die Scheibe ein.
  • Minderwertige Bremsbeläge: Zu harte Einschlüsse im Material der Bremsbeläge können die Scheibe ungleichmäßig abnutzen.
  • Korrosion und Rost: Wenn ein Fahrzeug lange steht, bildet sich Rost. Beim ersten Bremsen werden die Rostpartikel gelöst, können sich aber im Belag festsetzen und wie Schmirgelpapier tiefe Riefen ziehen.
  • Festsitzende Bremssättel: Wenn der Bremssattel nicht mehr frei beweglich ist, wird der Belag ungleichmäßig oder permanent gegen die Scheibe gedrückt. Dies führt zu Überhitzung und ungleichmäßigem Verschleiß (Rillenbildung).

2. Was bedeuten diese Rillen für die Sicherheit?

  • Verringerte Bremsleistung: Die Kontaktfläche zwischen Belag und Scheibe ist nicht mehr optimal. Da die Beläge plan sind, liegen sie in den Vertiefungen der Rillen nicht voll auf. Das mindert die Reibung und verlängert den Bremsweg.
  • Erhöhter Verschleiß der Beläge: Ein neuer Bremsbelag auf einer riefigen Scheibe passt sich mit der Zeit der Form der Rillen an, nutzt sich dabei aber extrem schnell ab.
  • Geräuschentwicklung: Rillen führen oft zu Quietsch- oder Schleifgeräuschen beim Bremsen.
  • Vibrationen: Tiefe Riefen können zu Unwuchten oder Rubbeln im Bremspedal und Lenkrad führen.

3. Wann wird es kritisch?

Ein gewisses Maß an feinen Rillen ist bei gebrauchten Bremsen normal. Kritisch wird es, wenn:

  • die Rillen so tief sind, dass man sie mit dem Fingernagel deutlich spüren kann (man bleibt hängen).
  • die Scheibe bereits die Mindestdicke (Verschleißgrenze) unterschritten hat.
  • das Bremsverhalten spürbar schlechter wird oder Geräusche auftreten.

4. Was ist zu tun?

  1. Sichtprüfung: Kontrollieren Sie, ob die Bremsbeläge noch ausreichend Belagstärke haben.
  2. Werkstattbesuch: Ein Fachmann sollte die Dicke der Scheibe mit einer Messschraube prüfen.
  3. Austausch: Wenn die Rillen zu tief sind, müssen die Bremsscheiben paarweise (also beide Seiten einer Achse) ersetzt werden. In diesem Zuge müssen zwingend auch neue Bremsbeläge verbaut werden, da die alten Beläge das unebene Muster der alten Scheibe übernommen haben und die neue Scheibe sofort wieder beschädigen würden.
  4. Abdrizhen (selten): Bei sehr teuren Scheiben, die noch genug Restdicke haben, können die Rillen in einer Fachwerkstatt manchmal "abgedreht" (plangeschliffen) werden. Da Bremsscheiben heute jedoch oft günstiger als die Arbeitszeit für das Abdrehen sind, wird meist direkt getauscht.

Fazit: Tiefe Rillen sind ein Warnsignal. Sie beeinträchtigen die Effizienz der Bremse und können bei einer Hauptuntersuchung (TÜV) als erheblicher Mangel eingestuft werden.

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