Warum entwickeln viele Selbstbräuner nach dem Auftragen einen charakteristischen, leicht süßlichen Eigengeruch?
Der charakteristische, oft als „keksartig“, „hefig“ oder „süßlich“ beschriebene Geruch von Selbstbräunern entsteht durch eine chemische Reaktion auf der obersten Hautschicht.
Hier sind die Details, warum das passiert:
1. Der Hauptakteur: DHA (Dihydroxyaceton)
Fast alle Selbstbräuner verwenden DHA als Wirkstoff. Dabei handelt es sich um einen einfachen Zucker (ein Kohlenhydrat), der meist aus pflanzlichen Quellen wie Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen wird.
2. Die Maillard-Reaktion
Wenn du den Selbstbräuner aufträgst, reagiert das DHA mit den Aminosäuren (Eiweißbausteinen) in den abgestorbenen Hornzellen deiner obersten Hautschicht (Stratum corneum).
Dieser Prozess wird in der Chemie als Maillard-Reaktion bezeichnet. Es ist exakt dieselbe chemische Reaktion, die auch beim Kochen oder Backen abläuft:
- Sie sorgt für die braune Kruste beim Brotbacken.
- Sie lässt das Steak beim Braten braun werden.
- Sie entsteht beim Rösten von Kaffeebohnen.
3. Warum entsteht der Geruch?
Bei der Maillard-Reaktion entstehen als Nebenprodukt verschiedene flüchtige organische Verbindungen. Da es sich bei der Reaktion auf der Haut im Grunde um eine Art „kalte Karamellisierung“ von Hautproteinen handelt, entstehen Geruchsmoleküle, die an Röstaromen, Stickoxide oder eben süßliches Gebäck erinnern.
Dass wir den Geruch oft als unangenehm empfinden, liegt daran, dass er auf der Haut – im Gegensatz zu frischem Brot – oft leicht säuerlich oder „muffig“ umschlägt, da auch Hautfette und Schweiß in den Prozess involviert sind.
4. Warum riecht es bei jedem Menschen anders?
Der Geruch ist individuell verschieden, weil er von mehreren Faktoren abhängt:
- Der Haut-pH-Wert: Ein saurerer oder basischerer Hautwert beeinflusst den chemischen Ablauf.
- Die Aminosäure-Zusammensetzung: Jeder Mensch hat eine leicht andere Zusammensetzung an Proteinen auf der Hautoberfläche.
- Die Bakterienflora: Die natürlichen Hautbakterien interagieren mit den Reaktionsprodukten.
5. Warum riecht man es erst nach einiger Zeit?
DHA benötigt etwa 2 bis 6 Stunden, um vollständig mit der Haut zu reagieren. Deshalb verfliegt der künstliche Duft (Parfüm), den der Hersteller dem Produkt beigemischt hat, meist nach einer Stunde, während die chemische Reaktion gerade erst ihren Höhepunkt erreicht. Der „Selbstbräuner-Duft“ tritt also erst dann hervor, wenn die Parfümstoffe des Produkts bereits verflogen sind.
Was tun Hersteller dagegen?
Moderne Marken versuchen, den Geruch durch zwei Strategien zu minimieren:
- Verkapselung: Das DHA wird so verpackt, dass es langsamer und kontrollierter reagiert.
- Geruchsneutralisatoren: Spezielle Duftstoffe, die darauf ausgelegt sind, die spezifischen Moleküle der Maillard-Reaktion chemisch zu binden oder zu überdecken.
- Erythrulose: Ein alternativer Bräunungszucker, der langsamer reagiert und weniger Eigengeruch entwickelt (wird oft mit DHA gemischt).