Warum muss die Holzoberfläche vor dem Auftragen einer Lasur in Faserrichtung geschliffen werden?
Das Schleifen in Faserrichtung ist bei der Vorbereitung von Holzoberflächen – besonders vor dem Auftragen einer Lasur – aus mehreren optischen und technischen Gründen entscheidend:
1. Sichtbarkeit von Kratzern (Der wichtigste Punkt)
Wenn man quer zur Faser schleift, verursachen die Schleifmittelkörner mikroskopisch kleine Risse und Schnitte, die die Holzfasern durchtrennen.
- Der Effekt der Lasur: Im Gegensatz zu deckendem Lack ist eine Lasur transparent oder semitransparent. Sie zieht in das Holz ein. Die in der Lasur enthaltenen Farbpigmente setzen sich bevorzugt in diesen quer verlaufenden Kratzern ab.
- Das Ergebnis: Nach dem Trocknen werden diese Kratzer als dunkle, unschöne Linien oder „Kringel“ (bei Exzenterschleifern) extrem sichtbar. Schleift man hingegen in Faserrichtung, fallen eventuelle feine Schleifspuren kaum auf, da sie mit der natürlichen Struktur des Holzes verschmelzen.
2. Gleichmäßige Aufnahme der Lasur
Das Schleifen öffnet die Poren des Holzes. Wenn man quer zur Faser schleift, „reißt“ man die Holzstruktur eher auf, anstatt sie glatt zu schneiden.
- Dies führt dazu, dass das Holz an den aufgerissenen Stellen die Lasur ungleichmäßig stark aufnimmt. Die Oberfläche wirkt nach dem Anstrich fleckig und unruhig.
3. Aufstellen der Holzfasern
Holz besteht aus Bündeln von Fasern (ähnlich wie ein Pinsel).
- Gegen die Faser: Schleift man quer, werden die Enden der Fasern aufgestellt und teilweise abgeknickt. Sobald die wasser- oder lösungsmittelhaltige Lasur aufgetragen wird, quellen diese Fasern auf und stellen sich noch stärker auf. Die Oberfläche wird dadurch sehr rau.
- Mit der Faser: In Faserrichtung werden die Fasern sauberer „abgeschoren“ oder flach angedrückt. Die Oberfläche bleibt nach dem Anstrich deutlich glatter.
4. Erhalt der natürlichen Optik
Eine Lasur soll die natürliche Maserung des Holzes betonen. Querlaufende Schleifspuren zerstören die optische Fließrichtung der Maserung und lassen das Werkstück handwerklich minderwertig erscheinen.
Profi-Tipp für ein perfektes Ergebnis:
- Wässern: Vor dem letzten feinen Schliff das Holz mit einem feuchten Schwamm leicht befeuchten und trocknen lassen. Dadurch stellen sich lose Fasern auf.
- Letzter Schliff: Diese aufgestellten Fasern schleift man dann mit feinem Schleifpapier (z.B. 180er oder 240er Körnung) strikt in Faserrichtung ab.
- Entstauben: Den Schleifstaub gründlich entfernen (absaugen oder abwischen), damit die Lasur direkt in die Poren eindringen kann.