Warum dürfen HT-Rohre nicht für die Verlegung im Erdreich (als Grundleitung) verwendet werden?
HT-Rohre (Hochtemperaturrohre, meist grau) sind ausschließlich für die Verwendung innerhalb von Gebäuden konzipiert. Für die Verlegung im Erdreich (als sogenannte Grundleitung) müssen stattdessen KG-Rohre (Kanalgrundrohre, meist orangebraun oder grün) verwendet werden.
Dass HT-Rohre im Erdreich nicht zulässig sind, hat primär folgende Gründe:
1. Mangelnde Ringsteifigkeit (Statik)
Dies ist der wichtigste Grund. Im Erdreich lastet das Gewicht der darüberliegenden Erdschichten sowie ggf. Verkehrslasten (z. B. durch darüberfahrende Autos) auf dem Rohr.
- HT-Rohre sind dünnwandig. Sie haben keine definierte Ringsteifigkeit für Erdfasten und würden unter dem Druck des Erdreichs mit der Zeit verformen (oval werden) oder brechen.
- KG-Rohre sind deutlich stabiler und haben eine zertifizierte Ringsteifigkeit (z. B. SN 4 oder SN 8), die sie widerstandsfähig gegen Erddruck macht.
2. Fehlende Längsstabilität und Ausdehnung
HT-Rohre sind für heißes Abwasser (bis 90 °C) innerhalb des Hauses optimiert und dehnen sich bei Hitze stark aus. Im Erdreich ist das Rohr jedoch fest vom Boden umschlossen.
- Wenn sich ein HT-Rohr im festen Erdreich ausdehnen will, aber keinen Platz hat, kann es zu Spannungen führen, die das Rohr aus den Muffen drücken oder zu Rissen führen.
- KG-Rohre sind materialtechnisch auf die konstanten, kühleren Temperaturen im Boden ausgelegt.
3. Materialbeschaffenheit und Langlebigkeit
- HT-Rohre bestehen meist aus Polypropylen (PP). Dieses ist zwar chemisch beständig, aber die Wandstärke ist nicht auf die aggressiven Bedingungen oder die mechanische Beanspruchung (z. B. durch Steine im Erdreich) ausgelegt.
- KG-Rohre (aus PVC-U oder modernem PP bei KG2000) sind dickwandiger und robuster gegen die Punktbelastungen, die im Graben entstehen können.
4. Dichtigkeit gegen Wurzeln und Grundwasser
Die Steckmuffen von HT-Rohren sind für den drucklosen Ablauf innerhalb von Gebäuden gedacht.
- Im Erdreich müssen Leitungen absolut dicht gegen eindringende Baumwurzeln und gegen austretendes Abwasser (Schutz des Grundwassers) sein.
- KG-Systeme haben speziell geformte Dichtlippen, die dem Druck von außen (Grundwasser) und innen besser standhalten.
5. Normung und Versicherung (Rechtliches)
- Die DIN EN 12056 und DIN 1986-100 regeln die Entwässerung auf Grundstücken. Diese Normen schreiben vor, dass Leitungen im Erdreich eine entsprechende Zulassung und Ringsteifigkeit besitzen müssen.
- Folge bei Missachtung: Wenn es zu einem Rohrbruch oder einer Verstopfung kommt, kann die Versicherung die Zahlung verweigern. Zudem drohen Bußgelder wegen Umweltgefährdung, falls Abwasser ins Grundwasser sickert.
Zusammenfassend: Ein HT-Rohr würde im Garten nach einiger Zeit durch das Gewicht der Erde "plattgedrückt" werden, was zu Verstopfungen, Undichtigkeiten und letztlich zum teuren Aufgraben des Bodens führt. Im Erdreich ist das orangefarbene KG-Rohr (oder das grüne KG2000-Rohr) Pflicht.