Wie verhindert man, dass HT-Rohre bei heißem Wasser durch thermische Ausdehnung aus den Muffen rutschen?

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Das Problem bei HT-Rohren (Hochtemperaturrohren) ist, dass Polypropylen (PP) sich bei Erwärmung deutlich ausdehnt. Wenn ein Rohr fest zwischen zwei Punkten eingespannt ist oder nicht genug Platz in der Muffe hat, entstehen Spannungen. Das Rohr kann sich verbiegen oder bei Abkühlung aus der Dichtung rutschen („Wandern“).

Hier sind die fachgerechten Maßnahmen, um das zu verhindern:

1. Die 10-mm-Regel (Dehnungsabstand)

Dies ist die wichtigste Regel bei der Installation von HT-Rohren:

  • Vorgehensweise: Stecken Sie das Rohr bis zum Anschlag in die Muffe. Markieren Sie diese Position mit einem Stift auf dem Rohr. Ziehen Sie das Rohr anschließend wieder ca. 1 cm (10 mm) aus der Muffe heraus.
  • Effekt: Dieser Freiraum dient als „Knigge-Zone“. Wenn sich das Rohr bei heißem Wasser ausdehnt, kann es in diesen Hohlraum gleiten, ohne Druck auf die Muffe auszuüben oder das System zu verformen.

2. Festpunkte und Loslager (Richtiges Schellen)

Man darf Rohre nicht einfach irgendwie festschrauben. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Rohrschellen:

  • Festpunkt (FP): Jedes Rohrstück sollte in der Regel einen Festpunkt haben (meist direkt hinter einer Muffe). Hier wird die Schelle fest angezogen, sodass das Rohr an dieser Stelle fixiert ist.
  • Loslager / Gleitpunkt (GL): Alle weiteren Schellen dürfen das Rohr nur führen, aber nicht einklemmen. Die Schelle wird so montiert, dass das Rohr bei thermischer Belastung hindurchgleiten kann.
    • Tipp: Verwenden Sie Schellen mit Gummieinlage, aber ziehen Sie die Schrauben bei Gleitpunkten nicht „knallfest“ an.

3. Anfasen der Rohrenden

Wenn Sie HT-Rohre selbst zuschneiden, entsteht eine scharfe Kante.

  • Problem: Eine scharfe Kante kann beim Einstecken den Dringring in der Muffe beschädigen oder aus seiner Nut drücken.
  • Lösung: Die Schnittkante muss mit einer Feile oder einem speziellen Rohranfaser im 15°-Winkel angeschrägt (angefast) werden. Nur so gleitet das Rohr sicher durch die Dichtung, ohne sie zu verkannten.

4. Verwendung von Gleitmittel

Verwenden Sie niemals Öl, Fett oder Seife als Schmiermittel!

  • Richtig: Nutzen Sie spezielles HT-Gleitmittel (meist auf Silikonbasis).
  • Grund: Herkömmliche Fette können die Gummidichtungen angreifen, sie porös machen oder aufquellen lassen, was die Gleitfähigkeit langfristig zerstört und zu Undichtigkeiten führt.

5. Lange Strecken abfangen

Bei sehr langen Abwasserleitungen (z. B. in Mehrfamilienhäusern) reicht der Spielraum einer normalen Muffe manchmal nicht aus.

  • Lösung: In solchen Fällen werden spezielle Langmuffen (Expansionsmuffen) eingesetzt, die einen deutlich größeren Einschubweg bieten, um die Dehnung über mehrere Meter aufzufangen.

6. Richtige Verlegetemperatur

Vermeiden Sie es, eiskalte Rohre (direkt aus dem Transporter im Winter) stramm zu verlegen. Wenn diese im Haus warm werden, dehnen sie sich sofort aus. Lassen Sie das Material sich kurz an die Umgebungstemperatur anpassen.

Zusammenfassung für die Praxis:

  1. Rohr einstecken bis zum Anschlag.
  2. 1 cm zurückziehen.
  3. Nur eine Schelle pro Rohrabschnitt richtig festziehen (Festpunkt), den Rest als Gleitlager lassen.
  4. Immer Gleitmittel verwenden und Kanten anschrägen.

Wenn Sie diese Punkte beachten, bleibt das Rohrsystem auch bei kochendem Nudelwasser formstabil und dicht.

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